257
scliaftlich Materiellen fern stand und von der Meinung ausging,
es müssten sich die socialen Verhältnisse nach Maassgabe der
Verfassung der Wissenschaft und nach einer in diesem Sinne
festzustellenden Rangordnung bestimmen. Dies war ein Stück
Ideologie, dessen nicht einmal St. Simon fähig gewesen war,
den die praktische Erfahrung und ein gewisser Tact vor dem
uralten Platonischen Irrthum bewahrt hatten, dass eigentlich
die Philosophen die Herrschaft haben müssten. Zwar hatte
auch St. Simon für eine, wenn auch sekundäre Machtstellung
der Akademien Fürsorge getroffen und in den einschlagenden
überspannten Conceptionen eine Art Kirche der Wissenschaft
aufzurichten gedacht. Allein wenn in diesem Punkt der Schüler
in die Fusstapfen des Lehrers trat, so gestaltete er die ganze
Imagination noch entschieden komischer, indem er die wirthschaftlich
politische Macht zur Seite liess und sich in ein vornehmlich
psychologisches Schematisiren von übrigens nebelhaften
Umrissen verlor.
Die Gelehrten sollten der erste und politisch einflussreichste
Stand sein. Dieser Comtescho Gesichtspunkt war nichts als
eine ungeschickte Gonsequenz der Idee, dass die Errungenschaften
des modernen Wissens für die politischen und gesellschaftlichen
Gestaltungen immer mehr maassgebend werden
müssten. Ausserdem war er die Wiederaufnahme des Leitfadens,
mit dem St. Simon seine zweite Lebensepoche, d. h.
seine auf die Theorie zu gründenden Bestrebungen begonnen
hatte. Die früher erwähnte „physiko-politische” Wissenschaft
des Lehrers erhielt in den Gpdanken des selbständig gewordenen
Schülers ein ganz einseitiges Gepräge, indem die Naturwissenschaften
in ihrer Stufenfolge auch den entscheidenden
Anknüpfungspunkt für die Theorie der Gesellschaft bilden
sollten. Merkwürdigerweise hat Comte nicht blos da an gefangen,
wo auch St. Simon begann, sondern auch übrigens in
seinem Leben und in seinen verschiedenen philosophischen
Phasen einige wichtige Grundzrtge der Laufbahn des Lehrers
in seiner eignen Art wiederholt.
8. Im Punkt e des religiösen A fleets ist die Uebereinstimmung
des schliesslichen Ausgangs für beide Persönlichkeiten
am greifbarsten. Auch Comtes letzte, von den mehr wissenschaftlichen
Positivisten meist verleugnete Periode ist durch
-eine Rückkehr zu einer ganz falschen, von Gemüthsbeweguugen
Duliriiijif Ooscliichte der JiatioDalökonomie. 2. Auflage. 17