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Die Natur des Landes.
In den minder feuchten, durch eine ausgeprägte Trocken-
heit ausgezeichneten Hochlandgebieten herrschen auf den be-
yünstigteren Flächen Koniferen- und immergrüne Eichenwälder
vor, die an Stellen geringeren Regenfalls entweder in Trocken-
wälder mit Laubfall oder aber in Strauchsteppen und Dorn-
buschformationen (Chaparales) übergehen, soweit sie nicht
Grasfluren und Wüsten Platz machen. Strauchsteppen oder die
armseligen Grasfluren der Savannen decken auch vorzugsweise
die regenarmen Tieflandgebiete der pazifischen und der Golf-
küste sowie des nördlichen und nordwestlichen Yucatän. Die hohe
Trockenheit dieser Gebiete wird nicht nur durch den Allgemein-
charakter der Pflanzenformationen bekundet, sondern auch
durch das Vorkommen von spezifisch mexicanischen Charakter-
pflanzen, die durch besondere Organisation gegen die Luft-
trockenheit und die Sonnenbestrahlung geschützt sind. Die auf-
fälligsten unter diesen sind die Opuntien und Agaven (die seit
dem 16. Jahrhundert auch in den Mittelmeerländern heimisch
geworden sind), ferner die Armleuchterkakteen (Cereus), Dasy-
lirien, Yuccas und kleinblättrige Dornsträucher, Freilich
kommen auch in den feuchten Waldgebieten einzelne Kaktus-
formen und andere‘ Succulenten in geringer Zahl vor, aber es
sind. andere Arten mit anderen Lebensbedingungen, als die
Succulenten der Trockengebiete: es sind meist Baumbewohner
oder Klettergewächse. Wo immer Kakteen im offenen Feld wild
angetroffen werden, da kann man auf geringen Regenfall und
eine langandauernde Trockenzeit mit Sicherheit rechnen und
muß demnach bei etwa anzulegenden Pflanzungen darauf Rück-
sicht nehmen und nötigenfalls durch künstliche Bewässerung
den Mangel des Klimas auszugleichen suchen. Wer in Mexico
landwirtschaftlich in neuen Gebieten tätig sein will, wird über-
haupt gut tun, sich mit der Eigenart der Pflanzenwelt unter
Anleitung von Landeskundigen vertraut zu machen. Denn
gewisse Pflanzen oder Vegetationsformationen können ein Ur-
teil ermöglichen, ob bestimmte Kulturen Aussicht auf Erfolg
hätten. So ist es eine Erfahrungstatsache, daß im tropischen
Tiefland in Savannen, wo die niedrigen Grasbüschel durch
Zwischenräume kahler Erde getrennt sind und also keinen