29. Die Bestimmung der Bankrate.
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günstiger und ungünstiger Zahlungsbilanz bedeutet) als um durch be
wußten Druck auf die heimische Wirtschaft die Handelsbilanz, in den
wirtschaftlich weniger starken Ländern den bedeutendsten Posten der
Zahlungsbilanz zu verbessern, eventuell auch durch Hochhaltung der
Geldmarktrate die Napitalmarktrate hinauszusetzen und dadurch dauernde
ausländische Anlagen zu veranlassen. Zn dieser Funktion ist die Dis
kontpolitik unentbehrlich. Sie ist ein schweres, aber unvermeidliches
Uebel.
29. Die Bestimmung der BanKrate.
Wie in der vorhergehenden Darstellung gezeigt wurde, geschieht
die Festsetzung des Diskontsatzes in der Gegenwart nicht automatisch
auf Grund eines bestimmten Status der Notenbank,- die Anhäufung
großer Goldvorräte hat die Zentralbanken gegenüber nicht zu starken
Anforderungen unempfindlich gemacht, die lange Nette bankpolitischer
Maßnahmen schwächt die Einflußnahme der ausländischen Leihraten
auf den Znlandsverkehr ab. Im letzten Jahrzehnt bestanden zwischen
den Baten der großen europäischen Notenbanken zeitweise Spannungen
bis zu drei Prozent, wobei freilich zu beachten ist, daß sich die Wechsel
bewegungen im internationalen Verkehr nach dem Privatsatz richten,
dessen Abstand vom Banksatz in den verschiedenen Reichen und in jedem
einzelnen wieder zu den wechselnden Jahreszeiten verschieden ist, daß
ferner die Rate der Bank von England Minimal-, jene der kontinentalen
Notenbanken Normalsatz ist und endlich eine Spannung der Sätze zweier
Plätze selbst um ein Prozent im (Quartal — das ja allein für den Wechsel
verkehr in Betracht kommt —■ nur % Prozent, für Arbitrageoperationen
in manchen Fällen einen zu geringen Unterschied bedeutet. Durch
die bankpolitischen Mittel sind in fortschreitender Entwicklung die Noten
bankleitungen in ihren Entschlüssen freier geworden.
Es wirft sich nun die Frage auf, nach welchen Grundsätzen die
Notenbanken in jenen Fällen, in denen sie nach ihrem freien Ermessen
handeln können, vorgehen. Die Wissenschaft hat sich mit dieser Frage
nur vereinzelt beschäftigt. Sie befaßt sich nach herkömmlichem Brauch
nur mit der Darstellung der Wirkung der viskontänderungen, historisch
begreiflich, da die Lehre in England in einer Zeit entstand, als die
Praxis des gleichmäßigen Diskonts mit Erfolg angegriffen wurde. Aber
in der Gegenwart mit dem Ruf nach stabiler Rate, in der Zeit der
hohen zentralen Goldreserven und regulärer freier Entschließungsmög
lichkeit der Lankdirektion müßte die Lehre der Diskontveränderung durch