Full text : Die deutsche Brauindustrie der Gegenwart

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-Hen-Bierbrauerei in Mainz

Die Geschichte von Mainz, der Hauptstadt des wichtigsten
Kurfürstentums des alten Reiches, war von altersher mit dem
Weinbau verbunden. Erst das letzte Jahrhundert mit seinen
technischen und wissenschaftlichen Errungenschaften machte
auch das Bierbrauen dort heimisch. Und heute besitzt
Mainz in der Mainzer Aktien-Bierbrauerei eines der größten
Brauhäuser von ganz Mittel- und Westdeutschland, Als erste
deutsche Großbrauerei auf Aktien wurde sie im Jahre 1859
von Mainzer Geschäftsleuten mit einem Aktienkapital von
500 000 Gulden gegründet. Sie führte zuerst den Titel
„Breysche Aktienbierbrauerei‘“. 1872 wurde das
Verhältnis mit Brey gelöst. Die Firma nahm ihren heutigen
Namen an. Wenn es ihr gelang, sich zu einem so bedeutenden
Unternehmen aufzuschwingen, so geschah es deshalb, weil sie
neben dauernder Verbesserung und Vergrößerung des Betriebes
 es sich angelegen sein ließ, den Absatz in großzügiger
Weise zu organisieren, einmal durch den Erwerb von zahlreichen
 Gasthäusern, dann auch durch ein weitgespanntes
Netz von Niederlagen und Vertretungen.
Auf dem historischen Kästrich in Mainz, dem alten
Römerlager (castrum). befindet sich die 1903 vergrößerte und
fast vollständig umgebaute Brauerei, ein moderner Fabrikbau,
den die Entlüfter der Mälzerei und die Essen der Maschinenanlagen
 überragen, Die in Naturbruchstein ausgeführten
Baulichkeiten der Brauerei bedecken eine Fläche von 3,13 ha,
die zum Teil dreifach und vierfach unterkellert ist. Sie umschließen
 vier große Höfe, die besonders dem Fuhrbetrieb
weiten Spielraum gewähren. Im Brauhaus selbst ist eine
Mälzerei untergebracht mit Malztennen von 4500 am zum Beschicken
 von vier Doppeldarren. Außerdem hat die Brauerei
drei weitere. Mälzereien in Mainz und Umgebung gemietet.
In diesen vier Mälzereien werden aus etwa 850 Waggons
Gerste: 130000 Ztr. Malz erzeugt. Das Sudhaus besteht
aus . zwei Doppelsudwerken mit 112 Ztr. Schüttung. Sie
haben eine Leistungsfähigkeit von 1800 hl pro Tag und sind
jür direkte Feuerung eingerichtet.
Der Gärkeller, wohl die größte in ‚sich geschlossene
Gärkelleranlage in Deutschland, stellt ein sinziges auf
136 Säulen ruhendes Gewölbe dar, in dem in
Gärbottichen und Gärtanks von je 300 bis 600 hl
10000 hl Jungbier Platz zur Gärung finden. Der
ursprünglich für Obereiskühlung eingerichtete
Keller erhielt im Jahre 1876 als einer der ersten
in Deutschland Kellerkühlung nach dem System
Linde. Heute sind in der Brauerei sieben
Lindesche Kälteerzeugungsmaschinen im Betrieb,
die täglich etwa 8000 Ztr. Blockeis und Eisersatz,
 der in einem Röhrennetz von 40 km Gesamtlänge
 dem einzelnen Räumen zugeführt wird,
erzeugen. Der Lagerkeller faßt 102000 hl
Bier. Er bietet ein interessantes Bild der Entwicklung
 von Brauereikellern in fünf Jahrzehnten.
Neben Tonnenkellern, Langganterkellern befinden

‚ich modernste in reiner Eisenkonstruktion erbaute Hallenkeller,
ron denen die sogenannten Kaiserkeller in vier Stockwerken
ibereinander auf einer Grundfläche von 900 qm Lagerraum
ür 35000 hl Bier bieten. Die Brauerei besitzt drei Brunnenınlagen,
 die täglich etwa 24000 hi Wasser liefern. Eine
sobarometrische Abfüllanlage mit einer Stundenleistung von
60 hl leitet das Bier in die Transportfässer oder in die zur
aschenfüllung bestimmten Biertanks. Die Flaschencellerei
 ist für eine Tagesleistung von 100000 Flaschen
)#ingerichtet. Sie ist mit allen modernen Maschinen versehen,
lie jede Berührung des Bieres mit der Hand ausschließen.
‚ede Flasche, wird durch eine Plombiermaschine mit einer
7ombe versehen, die an den Verschluß so angebunden ist,
laß ein unberufenes Öffnen unmöglich ist.
Fünf zum Teil doppelt übereinanderstehende Cornwalllampfkessel
 von zusammen 620 am Heizfläche liefern den
J)ampf für acht Dampfmaschinen von zusammen 1200 PS, die
n drei Maschinenhäusern untergebracht sind,
An Nebenbetrieben hat die Brauerei in der Kriegs- und Nachtriegszeit,
 während der die Bierbereitung so stark unterunden
 war, aufgenommen und dauernd beibehalten:
1. ein Kühlhaus mit 1321 qm Kühlhallen, das zur Zeit allerıngs
 von der französischen Besatzungsbehörde zur Konsernerung
 des Fleischbedarfs der Armee du Rhin requiriert ist
ind für diese betrieben werden muß; und .
2. eine Sauerstoffabrik, in der nach den Lindeschen Patenten
‚tündlich 50 cbm reiner Sauerstoff aus der Atmosphäre gevonnen
 und in Stahlflaschen verdichtet zum Verkauf geıracht
 werden,
Die Brauerei beschäftigt zur Zeit 95 Beamte und 295 Arbeiter.
8 Personenautos, 25 Lastkraftwagen, 55 Pferde sowie
21 Kühlwaggons dienen ihrem Personen- und Warenverkehr.
Sie ist weitaus die größte Braustätte am Rhein.
Bierniederlagen befinden sich u. a. in Aachen, Ludwigshafen,
Wiesbaden, Mannheim, Köln, Koblenz, Bonn, Düsseldorf,
Frankfurt, Gießen, Fulda, Saarbrücken, Darmstadt,
 Worms, Heidelberg usw. In. Mainz und
seiner Umgebung wird das Bier in etwa
250 Gasthäusern ausgeschänkt. In der Stadt
Mainz gehören der Brauerei 53 eigene Wirtschaftshäuser,
 u. a. die Bierhalle am Bahnhof,
die Gasthäuser „Zum Heilig Geist‘, Brauhauskeller
 „Zum Rad“, das Brauhaus „Zum Gutenberg“,
Das seit Römerzeit als Symbol für das alte
Moguntiacum gebräuchliche Mitrasrad charakterisiert
 in Wort und Bild auch die Marken der
Brauerei, Diese sind als „Rad‘, „Doppel Rad“,
„Doppelrad Gold“ und „Mainzer Rad-Pils‘“ in
ganz Deutschland sowie Holland, Belgien und
Frankreich bestens bekannt.
            
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