Der Bankdirektor.
Der alte Typus des Bankiers, mit dessen Arten und
Unarten sich früher reichlich die Witzblätter beschäftigten,
ist mehr rmd mehr in den Hintergrund getreten gegen
über den Leitern unserer Aktienbanken, den Bankdirek
toren. Der Bankdirektor ist ja eigentlich nicht mehr als
der oberste Angestellte der Akttonäre. Aber seine soziale
Stellung ist heute in den meisten Fällen angesehener
als die des Privatbankiers, obgleich er selbst keineswegs
Träger, sondern nur Diener der MUlionen ist. Aber das
große Beamtenheer, über das er herrscht, die Fülle des
Einflusses, den er aus die wichtigsten geschäftlichen Be
ziehungen des Landes, aus Industrie und Handel, Land
wirtschaft und Gewerbe auszuüben vermag, haben ihn
im Volksansehen mit einem Nimbus umgeben, wie ihn
ftüher kaum der reichste Bankier genoß. Die letzte Krach
periode, die uns zum ersten Male Bankdirektoren als
Deftaudanten und Angeklagte im großen Maßstabe zeigte,
hat dieses Ansehen nur wenig zu mindern vermocht.
Wenn auch in jener Zeit recht herbe Witze fielen, wenn
namentlich ein Kohlenhändler eine Marke dem Publikum
nicht besser empfehlen zu können glaubte, als durch die
Bezeichnung „Bankdirektor": „Brennt durch und hinter
läßt keine Asche," so war das doch nur eine Episode.