VII. Reichtum und sein Gebrauch.
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für die bestehenden Lebensbedingungen behalten meiner Ansicht
nach die Herren Carter und Dana recht, denn wie die Dinge
nun einmal liegen, ist der Millionär, welcher fortarbeitet, der
billigste Artikel, den die Allgemeinheit für den Preis, den sie dafür
bezahlt — nämlich: Obdach, Kleidung und Nahrung — zu pro
duzieren vermag.
Die Erfindungen der Gegenwart haben eine Konzentration
aller industriellen und geschäftlichen Unternehmungen in ungeheure
Betriebe zur Folge. Man kann beispielsweise das Verfahren Bes-
semers nicht erfolgreich anwenden, ohne Tausende von Menschen
an einem Punkte zu beschäftigen. Es wäre unmöglich, die Armie
rung für Schiffe auszuführen, ohne vorher, wie die Bethlehem-
Gesellschaft sieben Million Dollar auszugeben. Niemand vermöchte
auch nur ein einziges Meter Baumwolle angesichts der großen
Weltkonkurrenz zu fabrizieren, ohne eine ungeheure Fabrik und
ohne Tausende von Arbeitern und Arbeiterinnen. Die große elek
trische Anlage hier in dieser Stadt 1 ) konnte nur erfolgreich sein,
weil Millionen hineingesteckt wurden, um die elektrischen Werke
in großem Stile zu betreiben. Unter solchen Bedingungen muß
das Geld notwendigerweise bei guten Zeiten in die Hände we
niger fließen, weit über deren persönliche Bedürfnisse hinaus.
Dennoch fand sich unter fünfzig Leuten, die ein großes Ver
mögen erworben, nur ein einziger, der durch Fabrikation reich
geworden war. Große Vermögen werden durch Besitz von Grund
und Boden allein mehr gewonnen, denn durch alle anderen
Geschäftszweige zusammengenommen. Unmittelbar nach dem
Grundbesitz kommt in dieser Beziehung das Verkehrs- und Bank
wesen. Die ganze Fabrikwelt hatte nur einen einzigen Millionär
aufzuweisen.
Doch angenommen, aller übergroßer Reichtum flösse in die
Hände weniger zusammen, was würde die Pflicht dieser wenigen
sein? Wie kann der Kampf um den Dollar aus der schmutzigen
Atmosphäre, die jedes Geschäft umgibt, zu einer reineren Sphäre
erhoben werden?
ß Stadt Chenectady im Staate Neuyork, wo der Verfasser diese
Vorlesung zuerst hielt (1895).