IL. Die Rücszahlungen.
119
so der Ausgleich sich durchsetzen. Äber mit welchen
Folgen würde das für die deutsche Wirtschaft verbunden
sein? Mit unendlich viel schwereren, als wenn
heute durch Beschränkung der Ausgaben der öffentlichen
Körperschaften und durch Verhinderung immer weiterer
Lohnsteigerungen die inländische Kapitalbildung gefördert
und der Beschaffung von Auslandskapital eine
Schranke gesetzt wird.
Es ist entschieden zurückzuweisen, wenn von der Sozialdemokratie
und dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund
der Rücktritt Dr. Schachts gefordert wurde,
weil er den öffentlichen Körperschaften die Beschaffung
von Auslandskrediten für den Wohnungsbau verhindert
habe. Wie wir oben zeigten, ist die Wohnungsbeschaffung
im wesenflichen heute Konsum, die Rentabilität
so gering, daß die Zinsen und Rückzahlungen ganz überwiegend
durch Steuern aufgebracht werden müssen.
Die Kapitalbeschaffung dafür aus dem Auslande kann
wohl vorübergehend die Bautätigkeit und damit das
ganze Wirtschaftsleben anregen und hat es 1926 und
1927 bereits getan. Äber jetzt, wo die Zinsen und damit
die Steuern sich häufen, hat das zu dem unvermeidlichen
Rückschlag geführt, und es ist töricht, ihn durch
immer fortgesetzte Kapitalinjektionen überwinden zu
wollen. Die spätere Krisis würde nur um so schärfer
sein. Es ist dringend erforderlich, daß alle verantwortlichen
Instanzen sich der großen Gefahren einer weiteren
Auslandsverschuldung, namentlich seitens der öffentlichen
Körperschaften bewußt werden. Durch Auslandskapital
können die inneren wirfschafflichen Schwierigkeiten
bestenfalls verschoben, aber nicht beseitigt, vielmehr
schließlich nur verschärft werden.
Es muß rechtzeitig dafür Vorsorge getroffen und mit
allen Mitteln verhindert werden, daß durch die Auslandsverpflichtungen
nicht auch noch unsere Währung
erschüttert wird. Je sorgloser aber man jezt darauflos
borst, um so schwieriger wird das sein, um so stärkere