Metadata : Fortschritt und Armut

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4.  Buch.  V.  Teil.  Die  Steuern.

die  Steuer  benötigt,  daß  dies  eine  der  besten  Einnahmequellen  des
Staates  ist,  wenn  wir  sehen,  daß  dies  mittelbar  auch  mit  Vorteilen
verbunden  ist,  dann  werden  wir  die  Zweckmäßigkeit,  gewissermaßen
die  logische  Güte  der  Institution  anerkennen.  Die  Frage,  ob  die
Steuer  ein  gutes  oder  schlechtes  Ding  ist,  kann  sich  also  nur  auf
die  Anwendungsart  der  Steueridee  beziehen  und  in  dieser  Beziehung
werden  wir  freilich  in  den  einzelnen  Partien  des  Steuerwesens
günstiger  und  ungünstiger  Momente  gewahr  werden.
Daß  nämlich  die  Besteuerung  anderen  Einnahmearten  gegenüber ­
  auch  Nachteile  auf  weist,  ist  leicht  zu  erkennen.  Wenn  der
Staat  bloß  von  privatwirtschaftlichen  Einnahmen  lebt,  dann  ist  der
Staat  nur  Einer  unter  Vielen  und  wenn  dies  auch  seine  Nachteile
hat,  so  sind  diese  doch  zumeist  verborgen.  Unzweifelhaft  wird  die
Besteuerung  auch  immer  mehr  oder  weniger  von  dem  idealen  Zustande ­
  der  Gerechtigkeit  fern  bleiben  und  so  macht  sich  der  Staat
mancher  Ungerechtigkeit  schuldig.  Die  Besteuerung  wird  dort,  wo
das  Gefühl  der  staatsbürgerlichen  Pflicht  noch  nicht  genügend  entwickelt ­
  ist,  —  und  wo  und  wann  wird  das  in  Jedem  zur  Entwicklung
kommen  —  als  Last  empfunden  und  schaltet  in  die  Beziehung
zwischen  Staat  und  Staatsbürger  ein  unangenehmes  Element  ein.
Noch  schwerer  lastet  auf  den  Staatsbürgern  die  eventuelle  Steuerexekution, ­
  die  nicht  selten  deren  Lebensbedingungen  zu  vernichten
imstande  ist.  Die  Besteuerung  hat  natürlich  auch  auf  das  politische
Leben  Einfluß  und  ist  oft  Ursache  tiefgehender  Unzufriedenheit.
Auch  die  Kostspieligkeit  der  Steuerverwaltung  ist  ein  negativer
Posten.  Dagegen  ist  es  gewiß,  daß  das  Steuersystem  als  Einnahmemodus ­
  sich  am  besten  an  die  wirtschaftliche  Organisation  der  Gesellschaft ­
  anschmiegt,  mit  derselben  am  besten  übereinstimmt,  weil
sie  dem  Individuum  den  größten  Spielraum  zur  freien  Betätigung
bietet  und  die  Produktion  im  allgemeinen  am  wenigsten  stört.  Und
wenn  auch  in  neuerer  Zeit  der  Staat  auf  einzelnen  Punkten  gezwungen ­
  ist,  solche  Besteuerungsverfahren  anzuwenden,  welche  die
individuelle  Freiheit  bedeutend  einschränken  und  sich  der  staatlichen ­
  Einmischung  in  hohem  Grade  nähern,  so  ist  es  doch  gewiß,
daß  die  Einkommensbeschaffung  vermittels  Steuern  dem  Leben  der
höherentwickelten  industriellen  Gesellschaft  am  besten  entspricht
Hier  ist  es  die  Besteuerung,  die  mit  dem  Minimum  von  Nachteilen
das  Maximum  der  Vorteile  zu  bieten  vermag  und  die  Befriedigung
der  Staatsbedürfnisse  am  zweckmäßigsten  sichert.  Sie  liegt,  technisch ­
  ausgedrückt,  in  der  Linie  des  geringsten  Widerstandes.
            
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