Full text : Werke und Schriften bis Anfang 1844 (1,2.1930)

%

Dichtungen aus dem Jahre 1837

aus „Mehrer“ „Merten“ geworden, so wäre das Wort offenbar um ein
„h“ vermindert, also nicht vermehrt worden, was seiner formellen Natur
als substantiell widersprechend erwiesen ist.
Also kann „Merten“ keinenfalls von „Mehren“ abstammen, und daß
» aus Meer entsprungen, wird durch das Faktum widerlegt, daß die
Wertenschen Familien nie ins Wasser gefallen, auch nie wankelmütig,
sondern eine fromme Schneiderfamilie gewesen, was dem Begriff eines
ıochaufbrausenden Meeres widerspricht, aus welchen Gründen sich erzibt,
 daß besagter Autor, trotz seiner Unfehlbarkeit, geirrt und unsere
Deduktion die einzig richtige ist.
Nach diesem Siege bin ich zu ermüdet, um weiter fortzufahren und
will im Glück der Selbstzufriedenheit schweigen, wovon, wie Winkelmann
behauptet, ein Moment mehr wert ist, als das ganze Lob der Nachwelt,
»bgleich ich von diesem ebenso überzeugt bin, wie Plinius der J üngere,

22. Kapitel

75

„Quocumque adspicias, nihil est nisi pontus et aer,
Fluctibus hic tumidis, nubibus ille minax.
Inter utrumque fremunt immani turbine venti:
Neseit, cui domino pareat, unda maris.
Rector in incerto est: nec quid fugiatve petatve „20
Invenit: ambiguis ars stupet ipsa malis.“
„Wo du auch immer hinblickst, du siehst Scorpion nur und Merten,
Jenen in Tränen geschwellt, diesen umnebelt vom Zorn.“ ;
„Zwischen den beiden erdröhnt’s, wie unendlich hinbrausender
Wortschwall, 25
Weiß nicht, wem es als Herrn, horche das flutende Meer.“ ;
„Ich, der Rektor, ich schwatz’, und was ich lass’, was ich schreibe,
Find ich nicht, vor dem Skandal kriecht in den Ecken die Kunst.“
So erzählt Ovid in seinen libri tristium die traurige Geschichte, die
als die folgende der vorherigen nachgeht. Man sieht, er wußte sich nicht 30
mehr zu helfen, ich aber erzähle wie folgt: — —

23. Kapitel

Ovid saß zu Tomi, wohin ihn der Zorn des Gottes Augustus geschleudert,
 weil er mehr Genie als Verstand’ besaß,
Hier verwelkte unter den wilden Barbaren der zarte Dichter der Liebe, #
und die Liebe selbst hatte ihn gestürzt. Sein sinnendes Haupt stützte sich
auf die Rechte, und sehnende Blicke schweiften nach dem. entlegnen
Latium. Des Sängers Herz war gebrochen, und doch mußte er noch hoffen
und doch konnte seine Leier nicht verstummen und glühte in melodiereichen,
 süßberedten Liedern seine Sehnsucht und seinen Schmerz aus.
Um die Glieder des gebrechlichen Alten sauste der Nordwind, ihn mit
unbekannten Schauern erfüllend, denn er hatte ja im heißen Südenlande
geblüht, seine Phantasie hatte dort ihre üppigen, warmen Spiele mit
Prachtgewanden geschmückt, und wo diese Kinder des Genies zu frei
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.