Full text: Werke und Schriften bis Anfang 1844 (1,2.1930)

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Dichtungen aus dem Jahre 1837 
44. Kapitel 
Zweites Fragment aus Haltos Brieftasche 
Wir kamen zu einem Landhause, es war schöne, dunkelblaue Nacht. 
Du hingst an meiner Arm und wolltest dich losmachen, aber ich ließ dich 
nicht, meine Hand band dich, wie du mein Herz gebunden, und du ließest 
dich halten. 
Ich murmelte Worte voll Sehnsucht und sprach das Höchste und 
Schönste, was ein Sterblicher sagen konnte, denn ich sagte garnichts, ich 
war innerlich in mich versenkt, ich sah ein Reich aufsteigen, dessen 
Äther so leicht und doch so schwer wogte, und in dem Äther stand ein 1 
göttliches Bild, die Schönheit selber, wie ich sie einst in tiefen Phantasie- 
iräumen geahnt, aber nicht erkannt hatte, sie funkelte Geistesblitze, 
lächelte, und du warst das Bild. 
Ich staunte vor mir selbst, denn ich war groß geworden durch meine 
Liebe, riesenhaft; ich sah ein unendliches Meer, aber keine Fluten hbrausten z: 
mehr in ihm, es hatte Tiefe, und Ewigkeit gewonnen, seine Fläche war 
Kristall und in seinem dunklen Abgrund waren bebende, goldne Sterne 
angeheftet, die sangen Liebeslieder, die strahlten Glut von sich und das 
Meer selbst war warm! 
Wäre der Weg das Leben gewesen! 
Ich küßte deine süße, weiche Hand, ich sprach von Liebe und von dir. 
Ein leichter Nebel schwebte über unsrem Haupte, sein Herz brach, er 
weinte eine große Träne, sie fiel zwischen uns. wir aber fühlten die Träne 
und schwieren. ————. 
47. Kapitel 
„Entweder ist es Bonifacius oder ein Beinkleid!“ schrie Merten, 
„Licht, sag’ ich, Licht!“ und es ward Licht. „Bei Gott, es ist kein Bein- 
kleid, sondern Bonifacius ist es, hier hingelagert, im finstren Winkel, und 
seine Augen glühn in einem düstern Feuer, doch was muß ich sehn?“ 
„Er blutet!“ und stumm stürzte er nieder. Die Gesellen betrachteten zu- # 
erst den Hund und dann ihren Herrn. Endlich riß sich dieser gewaltsam 
vom Boden. „Was gafft ihr Esel? Seht ihr nicht, daß der heilige Boni- 
facius verletzt ist? Ich werde strenge Nachforschungen anstellen und 
wehe, dreimal wehe dem Schuldigen; doch nun schnell, tragt ihn in seinen 
Sessel, ruft den Hausarzt, bringt Essig und lauwarmes Wasser und ver- #- 
geßt nicht den Schulmeister Vitus zu rufen! Sein Wort vermag viel auf 
Bonifacius!“ So kurz gedrängt folgten die Befehle. Nach allen Seiten 
hin stürzten sie zur Türe hinaus, Merten betrachtete Bonifacius genauer, 
dessen Augen noch immer keinen milderen Glanz annahmen, und lange 
schüttelte er das Haupt. 
„Uns steht ein Unglück bevor. ein großes Unglück! Ruft einen Geist- 
Vohen 1‘
	        
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