Full text : Werke und Schriften bis Anfang 1844 (1,2.1930)

(16) 1837 Aug. 12—14

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gebettet. Möge der Allgütige es, soviel die gebrechliche Menschlichkeit
es gestattet, treu Deinen Fersen folgen lassen. Aber auch der Glücklichste
sieht trübe Stunden; keinem Sterblichen lächelt ewige Sonne. Aber von
ihm, dem Glücklichen, darf man mit vollem Rechte fordern, daß er dem
Sturm männlichen Mut, Fassung, Resignation, Heiterkeit entgegensetze.
Mit Fug darf man fordern, daß das verflossene Glück ein Panzer werde
gegen momentane Leiden. Das Herz des Glücklichen ist voll und weit und
kräftig, es darf sich nicht so leicht zerreißen lassen. —
Die liebe Mutter hat mir Dein Schreiben hierher geschickt. Der ent-‚o
 worfne Plan ist schön, und wenn er gut ausgeführt wird, wohl geeignet,
ein bleibendes Monument der Literatur zu werden, doch türmen sich
große Schwierigkeiten entgegen, vorzüglich in der Eigenliebe der Gekränkten,
 und darin, daß nicht ein Mann von ausgezeichnet kritischem
Rufe an der Spitze steht. Dahingegen ist das Blatt geeignet, Ruf zu verı5
 schaffen. Und hier fragt es sich, ob Du namentlich dabei erscheinst?
Denn grade Dir Ruf zu erwerben, kritischen Ruf, um so der Professur in
die Hand zu arbeiten, ist für Dich so sehr wesentlich. Indessen konnte
ich aus Deinem Schreiben die Gewißheit nicht entnehmen. Gott gebe Dir
sein Gedeihen. —
Es wird wohl aus meiner Reise nach Berlin nichts werden. Nach den
großen Ausgaben, die ich dieses Jahr hatte, würde sie meine Kasse etwas
zu sehr in Anspruch nehmen. Und dann muß ich gestehn, daß ich (wenn
auch nicht bestimmt) einige Absicht hatte, womöglich zu versuchen in
die Magistratur überzugehen. Indessen hätte ich vorher gewünscht die
z; Meinung des Herrn Jaehnigen hierüber zu wissen, dessen Mitwirkung
allerdings sehr nützlich sein konnte. Da sich indessen dies nicht machte,
so sehe ich wenig Hoffnung hiezu. Ich wollte nichts von Dir verlangen,
was Deinem Gefühl widerstrebte, doch vielleicht hättest Du klüger handeln
können. — Ich höre übrigens, Herr J[aehnige]n und seine Frau machen
eine Reise nach Paris und kommen darauf [nach] Trier. Du hast viel
verloren, denn Frau Jaehnigen hat diesen Sommer Deiner Jenny ganz
ausnehmend zärtliche Briefe geschrieben.
Ich sehe mit großer Sehnsucht einem Brief von Dir entgegen, um über
Dein Unternehmen das Weitere zu hören. Aber alsdann bitte ich. etwas
35 näher in das detail einzugehn.
Ich habe Dir heute früh meine Promenade geopfert, doch ist es
noch grade Zeit, eine kleinere zu machen und einige Zeilen der guten
Mutter zu schreiben, der ich den Brief schicken will. Denn wieder viel
zu schreiben würde mich genieren, und so hat. die Mutter doch einen
< großen Brief.
Lebe wohl, mein guter Karl, und behalte mich immer so lieb, wie Du es
sagst, doch mache mich mit Deinen Schmeicheleien nicht rot. Es schadet
nichts, daß Du eine große Meinung von Deinem Vater hast. In meiner
Lage habe ich auch etwas geleistet, genug um Dich zu haben. lange nicht
4 genug, um mich zu befriedigen.
Dein Vater

mn

Marty.

P.S. Die angebliche Leichenpredigt, die Du mir abforderst, ist ein
Opus von zirka zehn Zeilen. die ich nicht mehr besitze, die Sophie,
            
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