Full text: Werke und Schriften bis Anfang 1844 (1,2.1930)

(21) 1837 Dez. 9 
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Doch auch hier bewährt sich Dein Glück, Deine gute Mutter, die 
weicher ist als ich und der es noch sehr oft einfällt, daß auch wir einst 
der Spielball des kleinen, blinden Schelms waren, schlug Feuerlärm, und 
die allzu guten Eltern Deiner J[enn]y konnten kaum die Minute erwarten, 
; wo das arme verwundete Herz getröstet würde, und schon ist das Rezept 
unbezweifelt in Deine Hände, wenn nicht der Mangel an richtiger Adresse 
das Epistel irre geführt hat. 
Die Zeit ist gemessen, denn Sophie soll den Brief noch vor der Post 
zu Herrn v. W[estphale]n bringen, die jetzt weit wegwohnen, und die 
0 gute Gelegenheit ist mir ebenwohl erst heute angekündigt worden, so daß 
ich schließen muß. In der Tat wüßte ich auch jetzt nichts zu sagen, höch- 
stens könnte ich nur fragen, und ich mag nicht zudringlich sein. Nur das 
wird mir mein Herr Sohn noch erlauben, meine Verwundrung darüber 
auszudrücken, daß ich noch keine Anweisung erhalten habe! Oder willst 
5 Du etwa mit dem Zuvielgenommenen schon jetzt kompensieren? Das wäre 
noch etwas zu früh. — 
Die liebe Mutter wollte sich nicht ganz zufrieden geben, daß Du den 
Herbst nicht, wie die andern, nach Hause kamst. Wird es Dir und der 
lieben Mutter zu lang bis künftigen Herbst, so kannst Du zu den Oster- 
2% ferien kommen. — 
Dein treuer Vater 
Marx. © 
[Nachschrift der Schwester Sophie] 
Leb wohl, lieber Karl, gib uns bald Nachricht von Deiner nun- 
1 mehrigen Zufriedenheit und Seelenruhe, Bis Ostern. Karl, die Stunden 
werden mir Ewigkeiten bis dahin dünken! 
„. F[Auf der Adreßseite] . 
Herrn Karl Marx. stud. juris wohlgeboren in Stralow. N. 4 bei Berlin 
21. Der Vateran Marx in Berlin; Trier 1837 De- 
zemhber Q 
Orioinal: Archiv der Sozialdemokratischen Partei, Berlin 
Trier, den 9. Dezember 1837. 
Tieher Karl! 
Wenn man seine Schwäche kennt, so muß man Maßregeln dagegen 
3 ergreifen. Wollte ich nun wie gewöhnlich zusammenhängend schreiben, 
so würde mich am Ende meine Liebe zu Dir in den sentimentalen Ton 
verleiten, und um so mehr wär’ alles Frühere verloren, als Du — so 
scheint es wenigstens — einen Brief nie zum zweitenmal zur Hand 
nimmst, und zwar ganz folgerecht, denn wozu wieder lesen, wenn das 
zo Rückschreiben nie eine Antwort ist? 
Ich will also meine Klagen in Aphorismen aushauchen, denn wirklich 
Klagen sind es, die ich vorbringe. Um mir nun dieselben selbst recht zu 
verdeutlichen, und sie Dir wie Pillen verschlucken zu lassen, stelle ich 
Fragen, die ich gesonnen bin, ganz a posteriori zu lösen.
	        
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