4SI) ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeitslisten.
Einzelnen numerisch zu bestimmen. Um dies zu können, muss man genau
beobachten, in welchem Verhältnisse in ganzen Bevölkerungen auf ausgedehn
tem Gebiete unter verschiedenen Verhältnissen die Sterbfälle ein treten. Es
muss dazu festgestellt werden, wie viel in jedem Lebensalter
von einer gewissen möglichst grossen Zahl Lebender, welche
in dieses Alter eintreten, im Laufe desselben sterben. Dies ist
die für die Sterblichkeitsstatistik zu lösende Aufgabe. Zeigt es sich z. B., dass
von 10,000 neugebornen Knaben im I.aufe des ersten Jahres 1S50 und von
einer gleich grossen Zahl neugeborner Mädchen während der nemlichen Zeit
1725 sterben, so ist das Sterblichkeitsverhältniss der Knaben im ersten Le
bensjahre 18*4 Brocent, dasjenige der Mädchen nur 17'/*, — und findet es sich,
dass im 25. Lebensjahre von 10,000 Personen männlichen Geschlechts, welche
in dasselbe ein treten, im Laufe desselben 84, und von ebensoviel Personen
weiblichen Geschlechts 88 gestorben sind, so wird das Sterblichkeitsverhält
niss des männlichen Geschlechts im 25. Lebensjahre 0,84 Proc., dasjenige des
weiblichen Geschlechts dagegen 0,88 Proc. betragen. Aus diesen Zanlen erge
ben sich von selbst zwei wichtige Verhältnisse, nemlich der Grad der Wahr
scheinlichkeit oder der Gefahr, im Laufe des nächsten Jahres zu sterben, und
ebenso der Grad der Wahrscheinlichkeit, das darauf folgende Jahr zu erreichen.
Da für den einzelnen Menschen eines oder das andere dieser Ereignisse eintre-
ten muss, so bilden jene beiden Wahrscheinlichkeiten zusammen die Gewiss
heit, welche durch 1 ausgedrückt wird. Nach den eben angegebenen Zahlen
wird bezüglich des nächsten Jahres die Sterbens Wahrscheinlichkeit sein :
für den Neugebornen für den 24jährigen
männl. Oeschl. — weibl. Geschl. männl. Geschl. — weibl. Geschl.
0,1850 0,1725 _ _ 0,0084 0,0088
und die Ueberlebens Wahrscheinlichkeit :
0,8150 0,8275 0,9010 0,9912
Sa. 1. 1. 1. 1.
Sind diese Verhältnisse für jedes Lebensalter (nach einzelnen Jahren und
für die erste Zeit nach der Geburt, wo in kürzeren Perioden Veränderungen ein-
treten, nach Wochen und Monaten) genau erforscht, so ist das Wesentlichste
für die Bestimmung des Sterblichkeitsgesetzes und für Aufstellung einer Sterb
lichkeitsliste gewonnen. Letztere soll anzeigen, wie viel von einer gewissen
Zahl Neugeborner in jedem folgenden Lebensjahre (für das erste Lebensjahr
in kürzeren Zeitabschnitten) mit Tode abgehen, bis alle gestorben sind.
Solche Beobachtungen ergeben allerdings nur, wie die Verhältnisse auf
einem gewissen Baume und während einer gewissen Zeit wirklich waren ; wenn
aber Baum und Zeit eine so grosse Ausdehnung haben, dass auf ihm und in ihr
die verschiedenen Einflüsse, welche die Sterblichkeit verändern, gleichmässig
zur Geltung kommen konnten, so ergeben die Beobachtungen an der Vergan
genheit das mittlere Maas, nach welchem auch künftig die Sterblichkeit
stattfinden wird. Tausenderlei zufällige Ereignisse bringen zwar fortwährend
Abweichungen von diesem mittleren Maase bald nach dieser bald nach jener
Seite hin zu Wege, allein, wenn auch dem Gange der Sterblichkeit des Men
schen nicht so feste Bahnen, wie dem Laufe der Himmelskörper vorgezeichnet
sind, so sehen wir doch die Schwankungen dieses Ganges in ziemlich enge
Grenzen gewiesen. Aus den Beobachtungen an der Vergangenheit kann daher
stets ein annähernd richtiger Schluss auf die Ereignisse der Zukunft gezogen
werden, für so lange, als nicht tief eingreifende sociale Aenderungen eintrelen.
Es könnte nach Gbigem leicht und einfach scheinen, das Gesetz der Sterb
lichkeit für jedes Alter zu bestimmen, indem man dazu nicht etwa nöthig hat,
zu beobachten, nach welchem \ erhältnisse eine gewisse grössere Zahl Neuge
borner beiderlei Geschlechts successive abstirbt, — wozu, abgesehen von andern
Schwierigkeiten, ein langer Zeitraum gehören würde, — sondern nur zu beob
achten braucht, wie viele von einer auf einem grösseren Baume lebenden
Bevölkerung in jedes Lebensjahr eingetreten und wie viel davon im Laufe des
selben gestorben sind. Gleichwohl unterliegen diese Beobachtungen grossen
Schwierigkeiten, weniger in Betreff der Gestorbenen, als in Betreff der i,eben
den, auf welche jene zu beziehen sind. Solche Beobachtungen sind in der That