Full text : Werke und Schriften bis Anfang 1844 (1,2.1930)

260,

(44) 1841 Sept. 2

zlaubte, Marx sei ein Emissär, der das letzte Gericht halten sollte. Im
Sprechzimmer wurde nur von der Charakteristik gesprochen, einmal, als
ich gegenwärtig war, berauschten und besoffen sie sich alle so sehr in
Wut, daß endlich Fichte auf mich losstürmte und mich fragte, was
Fleischer meinte. Ich fragte ihn dagegen, ob er mich für fähig hielt, daß
ich geheimtun werde — ich würde es vielmehr zu wissen tun, wenn ich
mit dem Aufsatz beschäftigt sein würde, Alle wollten schon Promemorias
dagegen zu ihrer Verantwortung aufsetzen.
Schon diese Gemeinheit verlangt eine gründliche Schilderung. Damit
die Hunde sehen, wie wenig man sich aus ihnen macht, werde ich auch 7
das Verhältnis der Regierung zur Universität und vice versa und dazwischen
 den Mittler Rehfues schildern. Seine Vorrede zu Scipio Cicala
gibt dazu den besten Anknüpfungspunkt.
Sie schreien auch hier alle über Revolution; sie merken, wie die
Hunde, daß ein Gewitter kommt. Diese verrotteten Nester müssen aus- 76
gerottet werden,
Doch ich schließe, da wir. uns bald persönlich sprechen. Auf Wiedersehen!
 Viele Grüße an Echtermeyer von Ihrem
B. Bauer,

44. Moses Hess an Berthold Auerbach; Köln
1841 September 2
Original: Schiller-Archiv, Marbach. — Gedruckt in: Archiv für d. Gesch, d. Sozialismus u.
d. Arbeiterbewegung. Hg. v. C. Grünberg. Leipzig. Bd. X (1922), p. 411

Lieber Auerbach! Du läßt lange auf Dich warten; es vergeht eine 2;
Woche nach der andern, ohne daß Dein Versprechen und meine Hoffnung
 in Erfüllung ginge. Unterdessen war der Herr Cohen aus Karlsruhe
hier, ein fader Mensch, von dem ich mich jedoch, Deiner bleistiftigen
Empfehlung zuliebe, 1'/2 Tag ennuyieren ließ. Solltest Du auch diese
Woche, die nun beinahe zu Ende ist, nicht kommen, so komme ja anfangs 3
der andern Woche, nämlich Sonntag mit dem Dampfer, da an diesem
Tage mein Vater verreist (acht Tage ausbleibt) und Du ganz bequem
eine Woche bei mir leben kannst, ohne für Logis etc. Geld ausgeben zu
müssen. Wir wohnen jetzt in einem neuen Haus, worin mehrere schön
eingerichtete Zimmer zu Deiner Disposition stehen werden. &
Mit den Aktienzeichnungen geht es langsam, aber sicher. Braunfels
wird Dir das bisherige Resultat mitgeteilt haben; es wäre allerdings sehr
zut, wenn von dort und Frankfurt auch einige Zeichnungen kämen; mindestens
 wird das Unternehmen jedenfalls, wenn auch etwas später, als
wir es erwarteten, und zwar so, wie ich es wünsche, zustande kommen.
Inzwischen werbe ich auch tüchtige Mitarbeiter und Korrespondenten.
Du wirst Dich freuen, hier einen Mann kennenzulernen, der jetzt
auch zu unsern Freunden gehört, obgleich er in Bonn lebt, wo er bald
dozieren wird. Sollte Dir Braunfels schon etwas von ihm gesagt haben,
so ist hierauf nicht das mindeste Gewicht zu legen, da B. über Männer 4
und Bestrebungen, wie der vorliegende Fall bietet, noch weniger Urteil
als ein Kind hat, so sehr liegen diese Dinge über dessen Horizont.
            
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