(60) 1842 Juli 9
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60. Marx an Arnold Ruge in Dresden; Trier
[1842] Juli 9
Original: Marx-Engels-Institut, Moskau. — Gedruckt in: Documente des Socialismus I
{1902), p. 390—392
Lieber Freund! Trier, den 9. Juli.
Wenn nicht die Ereignisse mich entschuldigten, würde ich jeden
Versuch einer Excuse aufgeben. Es versteht sich von selbst, daß
ich es mir zur Ehre anrechne, an den Anekdotis mitzuarbeiten,
und nur durch unangenehme Äußerlichkeiten von der Einsendung
u meiner Beiträge kohibiert worden.
Seit dem Monat April bis heute habe ich im ganzen vielleicht
nur, aufs höchste, vier Wochen, und diese nicht einmal ununterbrochen,
arbeiten können. Sechs Wochen mußte ich wegen eines
neuen Todesfalls in Trier zubringen, die übrige Zeit war zerı5
stückelt und verstimmt durch die allerwidrigsten Familienkontroverse.
Meine Familie legte mir Schwierigkeiten in den Weg, die
mich, trotz ihres Wohlstandes, momentan den drückendsten Verhältnissen
aussetzten. Ich kann Sie unmöglich mit der Erzählung
dieser Privatlumpereien belästigen; es ist ein wahres Glück, daß
% die öffentlichen Lumpereien jede mögliche Irritabilität für das
Private einem Menschen von Charakter unmöglich machen. Während
dieser Zeit schrieb ich für die Rheinische, der ich schon lange
die Einsendung meiner Artikel schuldig war etc. etc. Ich hätte Sie
längst von diesen Intermezzos benachrichtigt, wenn ich nicht gez
hofft, von Augenblick zu Augenblick meine Arbeiten selbst beendigen
zu können. Ich reise in einigen Tagen nach Bonn und
werde nichts anrühren, bis ich die Beiträge für die Anekdota
beendigt. Es versteht sich, daß ich bei dieser Sachlage vorzugsweise
das „über Kunst und Religion‘ nicht so gründlich auszo
arbeiten konnte, wie der Stoff es erheischt.
Glauben Sie übrigens nicht, daß wir am Rhein in einem politischen
Eldorado leben. Es gehört die konsequenteste Zähigkeit
dazu, um eine Zeitung wie die Rheinische durchzuschlagen. Mein
zweiter Artikel über den Landtag, betreffend die kirchlichen
Wirren, ist gestrichen. Ich habe darin nachgewiesen, wie die Verteidiger
des Staats sich auf kirchlichen und die Verteidiger der
Kirche sich auf staatlichen Standpunkt gestellt. Dieser Inzident
ist der Rheinischen um so unlieber, als die dummen kölnischen
Katholiken in die Falle gelaufen und die Verteidigung des Erzu
bischofs Abonnenten gelockt hätte. Sie haben übrigens schwerlich
eine Vorstellung, wie niederträchtig die Gewaltleute und wie
dumm zugleich sie mit dem orthodoxen Dickkopf umgesprungen
sind. Aber der Erfolg hat das Werk gekrönt; Preußen hat dem
Papst vor aller Welt die Pantoffel geküßt, und unsre Regierungsmaschinen
gehn über die Straßen, ohne zu erröten. Die Rheinische
MM