(66) 1842 Dez, 4
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Gestern bekomme ich einen insolenten Brief von Meyen, der
dies Schreiben noch nicht empfangen hatte, und nun mich nach
allen möglichen Dingen fragt, 1. ich solle mich erklären, wie
ich’s bei Ihrem Zwist mit Bauer, wovon ich kein Wort weiß, halte;
2. warum ich das und das nicht durchgelassen; wird mir mit Konservatismus
gedroht; 3. die Zeitung dürfe nicht temperieren, sondern
müsse das Außerste tun, d. h. ruhig der Polizei und Zensur
weichen, statt in einem dem Publico unsichtbaren, aber nichtsdestoweniger
hartnäckigen und pflichtmäßigen Kampf ihren
o Posten behaupten. Endlich wird schmählich über Herweghs Verlobung
etc. etc. berichtet.
Aus allem dem leuchtet eine schreckliche Dosis Eitelkeit heraus,
die nicht begreift, wie man, um ein politisches Organ zu retten,
einige Berliner Windbeuteleien preisgeben kann, die an überhaupt
6 nichts denkt als an ihre Cliquengeschichten. Dabei spreizte sich
das Männchen wie ein Pfau, schlug hochbeteuernd an die Brust,
an den Degen, ließ was von „seiner“ Partei fallen, drohte mir mit
Ungnade, deklamierte ä la Marquis Posa, bloß etwas schlechter
u. dgl.
» Da wir nun von morgens bis abends die schrecklichsten Zensurquälereien,
Ministerialschreibereien, Oberpräsidialbeschwerden,
Landtagsklagen, Schreien der Aktionäre etc. etc. zu tragen haben
und ich bloß auf dem Posten bleibe, weil ich es für Pflicht halte,
der Gewalt*) die Verwirklichung ihrer Absichten, soviel an mir,
% zu vereiteln, so können Sie denken, daß ich etwas gereizt bin und
dem M{[eyen] ziemlich derb geantwortet habe. Es ist also wahrscheinlich,
daß die Freien sich auf einen Augenblick zurückziehn.
Ich ersuche daher Sie dringend, sowohl selbst uns zu unterstützen
mit Beiträgen, als auch Ihre Freunde dazu aufzufordern.
Ihr Marx.
A}
66, Arnold Rugean Marxin Köln; Dresden 1842
Dezember 4
Original: Archiv der Sozialdemokratischen Partei, Berlin
Dresden, den 4. Dez. 42.
Eben, lieber Freund, erhalt’ ich Ihren Brief, der mich ebenso sehr
überrascht, als der Artikel über die oder vielmehr contra die Clique
der „Freien“. Ich vermutete nicht, daß Sie soweit gehn und ihre Hohlheit
ernstlich für eine Macht halten würden, d. h. ich nahm die Sache,
wie sie sich mir darstellte, als Renommage: denn für den Ernst waren
Er
1) Korr..aus Regie[rung]