Full text : Werke und Schriften bis Anfang 1844 (1,2.1930)

(73) 1843 Febr. 12 Bemerkungen zu dem Erlaß gegen die RhZ 297
Von den Berlinern hör’ ich kein Wort. Bauer hat große Arbeiten vor
und ist wie immer fleißig, so erzählt mir Wigand. Sein Zorn auf uns möge
sich verrauchen. Es ist weiter nichts mit ihm anzufangen, da er sehr übel
motiviert ist, Die übrigen Berliner produzieren nichts Primitives und
5 schreiben viel mehr, als sie denken; aber auch von ihrer Tätigkeit hab’ ich
gar keine weitere Kunde. Dagegen sind mir neue Bekanntschaften aufgegangen,
 die ich sehr hoch achte und die sich gern bei uns vernehmen
lassen werden.
Wir können ohnehin so superieur und gelassen mit dem Kram ver-10
 fahren, daß alle Leute begreifen: Preßfreiheit sei keine Sündflut.
Doch ich mache ein Ende, um desto rascher den Anfang des wahren
Endes, den der Gott in unsre Hand gegeben, aufsteigen zu sehn. Lassen
Sie bald von sich hören.

Von ganzem Herzen
Ihr A. Ruge.

Grüßen Sie Jung schönstens. Was sagen denn die Aktionäre und die
Rheinländer?

73. Bemerkungen von Karl Marx zu dem Erlaß
der drei Zensurminister gegen die Rheinische
Zeitung [1843 Februar 12]
Original: Historisches Archiv. Köln. — Gedruckt bei Hansen, Rhein. Briefe u, Akten I,
pD. 431— 436

1
Randglossen zu den Anklagen des Ministerialreskripts

„Dasselbe (das Rhleinische] Blatt) verfolgte von seiner Entstehung
 an eine so verwerfliche Richtung“ etc. „Unverkennbar“,
 heißt es, „herrschte in der Zeitung fortgesetzt die Absicht
vor, die Verfassung des Staats in ihrer Basis anzugreifen, Theorien
zu entwickeln, welche auf Erschütterung des monarchischen Prin-1
 zips abzielen, das Verfahren der Regierung in der öffentlichen
Meinung böswillig zu verdächtigen, einzelne Stände der Nation
gegen die anderen aufzureizen, Mißvergnügen mit den bestehenden
 gesetzlichen Zuständen zu erwecken und sehr feindselige
Richtungen gegen befreundete Mächte zu begünstigen. Die Anzs
 sichten über angebliche Mängel der Verwaltung wurden, abgesehen
 davon, daß sie meist aus der Luft gegriffen waren und
größtenteils der Gründlichkeit und Sachkenntnis entbehrten, nicht
in ernstem, ruhigem und würdigem Tone, sondern unter gehässiger
Anfeindung des Staates und seiner Verwaltungsformen und Orjo
 gane entwickelt.“
Eine Richtung wird offenbar nicht schon dadurch verwerflich,
 daß die Regierung sie für verwerflich erklärt. Auch das

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