Full text: Allgemeine Gesellschaftslehre

V. Kapitel. 
Vergesellschaftung und Gesellschaft. 
edes Behauptungs-Streben stellt einen Seelenaugenblick dar, in wel- 
J chem jemand, wie wir dargelegt haben, darauf zielt, einer anderen 
Seele den bedeuteten Gedanken zugehörig zu machen, jeder Be- 
hauptende wirbt. also um besonderen Gedanken anderer 
Seele, Nun finden wir aber in der Welt zahllose Seelenaugenblicke, 
in welchen jemand durch eine Behauptung nicht bloß darauf zielt, einer 
anderen Seele einen Gedanken zugehörig zu machen, sondern weiter 
darauf, jener anderen Seele durch jenen Gedanken eine besondere zu- 
ständliche Bestimmtheit oder einen besonderen emotionalen Seelen- 
augenblick zugehörig zu machen. So kann z. B. A zu B sagen: „C ist 
angekommen“, wobei A nicht bloß die Absicht hat, dem B den Ge- 
danken zugehörig zu machen, „daß C angekommen ist“, sondern auch 
lie Absicht, dem B mit diesem Gedanken Lust oder Unlust zugehörig 
zu machen. In solchem Falle liegt ein „Lust- bzw. Unlust- 
Werbung-Streben“ vor, wenn A. auf die Behauptung als Mittel 
dafür zielt, daß B zunächst den Glauben gewinne, A wolle 
ihm (dem B) mit dem Gedanken „C ist angekommen“ auch Lust bzw. 
Unlust an diesem Gedanken zugehörig machen. Hingegen liegt bloß 
ein „Streben nach Lust- bzw. Unlust-Anregung durch Be- 
hauptun g“ vor, wenn A. zwar die Absicht hat, dem B durch den 
Gedanken „C ist angekommen“ Lust bzw. Unlust zu wirken, aber 
nicht die Absicht hat, in B zunächst den Gedanken zu wecken, daß A 
diese Absicht habe. Schließlich liegt überhaupt nur ein „Lust- bzw. 
Unlust-Anregung-Streben“ vor, wenn jemand darauf zielt, einer 
Anderen Seele ohne Behauptung Lust bzw. Unlust zu wirken. In einem 
„Lust- bzw. Unlust-Weckung-Streben“ überhaupt kann auch 
darauf gezielt werden, jene besondere Lust bzw. Unlust zu vergemein- 
Schaften, nämlich eben dann, wenn jene besondere Lust bzw. Unlust 
dem Strebenden selbst bereits zugehört. Für das Unternehmen einer 
„Allg emeinen Gesellschafts-Wissenschaft“ sind aber von besonderer Wich- 
Agkeit jene Seelenaugenblicke, in welchen jemand um besonderes 
Wollen, bzw. Wider-Wollen anderer Seele wirbt. Selbst- 
Yerständlich finden sich in der Welt überhaupt Strebensaugenblicke, in 
Welchen jemand darauf zielt, einer anderen Seele einen besonderen 
“Motionalen Seelenaugenblick anregend zu wecken, und insbesondere 
Anden wir auch häufig Strebensaugenblicke, in welchen jemand darauf
	        
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