seine Regierung von der Gegenpartei gestürzt worden.
Die Herren haben es, wie Damaschke erzählt, schon vorher
für unvorsichtig gehalten, daß ein Minister immer auf
dem selbem Wege in sein Dorf fährt! Hat unter solchen
Verhältnissen wirklich ein d eu t s < e s Interesse vorge-
legen, ohne Kenntnis der Landessprache nach Bulgarien
zu fahren und sich in die Parteikämpfe dieses Landes ein-
zumischen? Obendrein für Leute, die während des zu
unseren Gunsten geführten Krieges unschädlich gemacht
werden mußten und von uns Deutschen keinen Dank ver-
dient hatten!
Damaschke hat alles, was er dort getan hat, in seinem
Bericht natürlich gefunden. Er hat auch in Lüneburg und
in der Bundeszeitsschrift für die gestürzten Männer Par-
tei ergriffen.*+) Jch kann mich mit diesem vorgehen nicht
befreunden und ich glaube nicht, daß den deutschen In-
teressen damit gedient worden ist. Mit den Vorträgen in
Österreich, Ungarn nud in der Schweiz steht es bei näherer
Betrachtung nicht viel anders. Ich finde, daß wir auf
lange Zeit so viel mit uns selbst zu tun haben, daß wir
uns eine Belehrung des Auslandes durch Vorträge er-
sparen können. Im Weltkrieg sind zuletzt 28 fremde Völ-
ker über unser verzweifelt ringendes Volk hergefallen.
Unsere Bundesgenossen haben uns, als das Glück von
uns wich, schnöde verlassen. Unsere Feinde haben uns
ausgeplündert bis aufs Hemd, unserer Kolonien beraubt
und geschmäht. Große Strecken deutschen Bodens sind
uns entrissen worden. Andere sind noch auf Jahre hin-
aus von feindlichen Truppen besetzt. Kann es für uns
als Bodenreformer, die jede mißbräuchliche Benutzung
des Bodens bekämpfen, einen g r öüß e r en M i ß br a u <
geben, als den, reiche von Deutschen bewohnte Gebiete
unter der Herrschaft von Fr em d e n zu sehen? Kann es
_ *) Zeitschrift Bodenreform 1924 S. 227. Soziale Zeitfrage 1924 Heft 78. S. 13.
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