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Verfallserscheinungen des Römerreiches zu sprechen, sondern auch
das Auftreten der germanischen „Barbaren“; diesen viehzüchtenden
Halbnomaden der Völkerwanderungszeit war eben das Geld noch
fremd. Nicht wenige Nationalökonomen und auch Historiker
wollten dann diesen Rückfall in die Naturalwirtschaft gar durch
viele Jahrhunderte, bis auf Karl d. Gr., fortdauern lassen**), ja
man spricht ziemlich allgemein von dem Frühmittelalter als einer
Zeit reiner Naturalwirtschaft.
Aber auch für die sog. Neuzeit, welche man im ganzen als eine
Periode der Geldwirtschaft zu charakterisieren pflegt, hat Karl
Lamprecht eine allgemeine naturalwirtschaftliche Reaktion in der
2.Hälfte des 16. Jahrhunderts angenommen, die ganz Mitteleuropa
betraf und von außen her vor allem durch die Verschiebung
des internationalen Handels an die europäischen Westküsten
bedingt ward®?). Auch da ein Zusammenbruch der Geldwirtschaft
und als Folge ihres Überwucherns der Rückfall in die Natural-
wirtschaft.
Lamprecht sieht in diesem Wiederauftreten der Naturalwirt-
schaft ein nationales Unglück und meint, in diesem „unglückseligen
Zustand“ geradezu den Grund zu erkennen, welcher „unsere
Fürsten auf viele Menschenalter hin den Tributzahlungen der
westlichen Geldmächte, Frankreichs, Hollands, Englands, nur zu
geneigt gemacht hat“.
Als Ursache fürıdiese Herabdrückung „auf das Niveau einer
spätmittelalterlichen Naturalwirtschaft“ betrachtet er den Verlust
der Weltmachtstellung Deutschlands im Handel. Die Beherrschung
seiner Küsten, ja seiner wichtigsten Flußgebiete kommerziell durch
Holland, handelspolitisch durch Schweden. Der Fall des aus-
wärtigen Handels zog den des Binnenhandels nach sich, die Kauf-
mannschaft liegt darnieder, die Landstraßen veröden.
Die Besoldungen konnten jetzt wiederum fast nur noch in
Naturalien, in einzelnen Territorien auch in Bergwaren (Salz,
Metallen, Hüttenprodukten) gewährt werden; in Brandenburg hat
noch unter dem großen Kurfürsten jede mehr geldwirtschaftliche
Gehaltszahlung gestockt. Und auch die Fürsten selbst sehen wir in
81) So Max Weber a. a. O.. ebenso W. Sombart, Der moderne Kapita-
lismus 1%, 94:
82) Deutsche Geschichte 5°, 5, Einleitung (1921).