Full text: Study week on the econometric approach to development planning

Wandlung des Seelenlebens vom 16. zum 18. Jahrhundert. 5 
Es war eine Erweiterung, die in erster Linie dem steigenden 
Verkehr einer in einzelnen Richtungen noch immer fortschreiten⸗ 
den Geldwirtschaft sowie teilweis auch politischen Bedürfnissen 
berdankt ward; und sie brachte an erster Stelle die Deutschen 
der verschiedenen Gegenden untereinander in viel engeren Zu— 
sammenhang, als sie ihn jemals besessen hatten. 
Gewiß hatten, wie schon im früheren Mittelalter die kirch— 
lichen Institute, namentlich die Klöster und später die Universitäten, 
so auch die größeren Städte und Territorien innerhalb eines 
Handelsgebietes während des 14. und 15. Jahrhunderts unter sich 
bereits in ziemlich regelmäßigem Verkehr gestanden; wir wissen 
es z B. von den Hansestädten und dem Deutschen Orden, deren 
speerbewaffnete Boten in ständigem Wechsel ihre Wege machten. 
Allein von einem regeren Gedankenaustausche auf weitere Fernen 
war deshalb doch noch nicht die Rede gewesen. Im ganzen 
hatte es sich vielmehr nur um einen öffentlichen Briefverkehr 
gehandelt, die Privatbriefe waren noch trocken geblieben und 
formelhaft auf wenige Nachrichten beschränkt; und noch im 
14. Jahrhundert hatte man im Grunde mit Mißtrauen auf 
den schriftlichen Verkehr, der allein ausgiebig sein konnte, ge— 
sehen und mündliche Bestellung für sicherer gehalten. 
Wie anders wurde das im 16. Jahrhundert! Seit 1516 
entstand ein regelmäßiger Postverkehr zwischen sterreich und 
den Niederlanden quer durch Deutschland hindurch; zahlreiche 
Posten von Städten und Fürsten wurden daneben errichtet 
oder wenigstens besser ausgebaut; auf den Reichstagen regte 
man immer häufiger den Gedanken einer Reichspost an, und 
ein Schritt wenigstens zu ihrer Verwirklichung geschah im 
dahre 1568, indem die Taxissche Post das ganze Reichsgebiet 
mit ihren Einrichtungen zu überziehen suchte!. Diesen neuen 
Verkehrsmöglichkeiten entsprach nun auch ein neuer Verkehr: 
die Briefe wurden ausführlicher; eine genauere Kenntnis der 
gegenseitigen Verhältnisse der einzelnen Reichsteile verbreitete 
Genaueres hierüber s. Buch XVIII, Kap. 2 Nr. 6, am Schlusse 
dieseß Bandes.
	        
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