Object: Neuere Zeit (Abt. 2)

752 Einundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
des Verschnaufens und der Sammlung von Kräften zu neuem 
Ringen. Denn so der Hauptsache nach haben beide, wenigstens 
gegen Schluß der Zeit, die Tätigkeit dieses Jahrzehnts be— 
rachtet. 
Anfangs indes sah man Leben und Handeln doch wieder 
breiter an; bei Friedrich regte sich, wenn auch begrenzter, aber 
doch zugleich auch veredelt die alte Liebe zu Kunst und zu 
Wissenschaft, zu Geselligkeit und zu Repräsentation; die öster— 
reichische Herrscherin aber, nun junge Kaiserin — und eben als 
zsterreichische Kaiserin, die sie nicht war, lebt sie bezeichnender— 
weise im Gedächtnis der Nachwelt fort — entfaltete all ihren 
Liebreiz und eine gleichsam mütterliche Sorge, die frohes Tage— 
leben nicht ausschloß, in der unmittelbar praktischen Ver— 
besserung der Regierung der ihr zugefallenen Lande. So waren 
die beiden Rivalen und Nachbarn jeder in seinem Sinne treff⸗ 
lich tättg; und wenn dabei vom Standpunkte der deutschen 
Allgemeingeschichte das Tun Maria Theresias zunächst fast 
fruchtbarer und auch rascher abgeschlossen erscheint, so hat das 
vornehmlich seinen Grund doch nur darin, daß sie gegen ihr 
Land noch Pflichten des Absolutismus zu erfüllen hatte, denen 
in Preußen schon die Regierung Friedrich Wilhelms J. gerecht 
zeworden war. 
Will man sich den Unterschied, der damit zwischen der 
Tätigkeit Friedrichs und Maria Theresias obwaltete, gleichsam 
symbolisch, nach den Eindrücken nur einer einzigen Tätigkeits⸗ 
seite beider veranschaulichen, so geschieht das vielleicht am 
besten durch Gegenüberstellung dessen, was Friedrich wie Maria 
Theresia in dieser Zeit ganz persönlich für ihr Andenken bei 
der Nachwelt taten. Da sehen wir Friedrich alsbald nach den 
schlesischen Kriegen, ja schon während deren Verlauf bereits 
auch an deren Geschichte arbeiten; wie Cäsar seine Kommen⸗ 
tarien, nur weit allseitiger, schreibt er seine ‚Histoire de mon 
temps“: und von vornherein berichtet er mit dem Gedanken 
an die Offentlichkeit. Ja damit noch nicht zufrieden, beginnt 
er zur selben Zeit auch schon die „Mémoires pour servir à 
l'histoire de la maison de Brandebourg“, deren erster Ab—⸗
	        
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