Metadata: Neuere Zeit (Abt. 2)

— 
Neunzehutes Buch. Drittes Kapitel. 
als Körper. Jeder Körper ist mithin ein Organismus. Und 
einer dieser Organismen wiederum ist der Mensch. Der 
Mensch steht daher als ein Subjekt teils bewußter, teils 
unbewußter Vorstellungen unter den Wirkungen der prä— 
stabilierten Harmonie; er ist in seinem Willen determiniert; er 
ist eingereiht in eine unendlich vom Tiefsten zum Höchsten sich 
entfaltende Welt von Monaden und monadischen Systemen; er 
steht mit seinem Sein unter dem Gesetze des ununterbrochenen 
Zusammenhanges alles Seienden. 
Halten wir hier zum Zwecke der Orientierung einen Augen— 
blick inne, so ist zunächst klar, daß der Ausgangspunkt des 
metaphysischen Nachdenkens bei Leibniz ganz in seiner Zeit ge— 
legen war. Er will einerseits allerdings hinaus über die 
Gegensätze, die sich in der Entwicklung der Philosophie seit 
Bacon und Descartes ausgebildet hatten. Aber er steht mit 
diesem Bestreben anderseits doch zugleich wieder unter den 
tiefsten geistigen Lebensbedingungen seiner Zeit. Seine Monaden 
sind Individuen nach dem Persönlichkeitsbegriffe seines Zeit— 
alters, — nicht Summationen ständig aktueller geistiger Funk— 
tionen, sondern für sich stehende, „fensterlose“, allein in sich 
lebende, ohne gegenseitige Beeinflussungsfähigkeit gedachte und 
darum nur mit Vorstellungs-, nicht mit Willensleben aus— 
gestattete Kräfte, — nicht Organismen im Sinne eines Zoon 
politikon, sondern in gegenseitiger Absperrung lebende indi— 
oiduale Mikrokosmen. Darum verlangt es nach ihm der Be— 
zriff der Substantialität, „daß jede Substanz etwas in sich 
Einheitliches und Abgeschlossenes sei, welches keinerlei Be— 
stimmung von den übrigen Substanzen in der Äußerung seiner 
Kraftwirkung erfährt.“ Darum gewinnt er auch, entgegen 
überwiegenden Konsequenzen seines Systems, schließlich durch 
ein intrikates Gewirr von Folgerungen die Unsterblichkeit der 
Individualseele, freilich zugleich unter der notwendigen An— 
nahme ihrer Präexistenz. 
Hier also, in der Auffassung der Monade und ebenso in 
dem Aufbau der allgemeinen Bedingungen, unter denen die 
Monade lebt, soweit in deren Konstruktion sich deutlich rationale
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.