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Reichweite des Wirtschaftssystenis, das mit seinem „Geist“ die Hand-
lungen der einzelnen Wirtschaftssubjekte bestimmend beeinflußt.
Aber es gibt daneben Kreise gleichen Geistes, die sich unabhängig
vom Wirtschaftssysteme bilden. Ich denke an die Religionszonen:
Christentum mit seinen verschiedenen Bekenntnissen (Puritanismus!),
Judentum, Mohammedanismus, Hinduismus, Konfuzianismus, die jede
für sich eine besondere geistige Atmosphäre schaffen. Ich denke an
die Abgrenzung der geistigen Motivationsinhalte durch die Nation,
die Klasse, den Stand, den Beruf: Einfluß der Kaufmannssitten, des
Ghetto! u. a. Alle diese Zonen eines gleichförmigen Ethos decken
sich entweder oder schneiden sich. Der in ihnen herrschende Geist
wird durch die Geschichte bestimmt und ist zeitlich veränderlich.
Immer aber bietet er einen ersten und wichtigen Grund für gleich-
förmige Charakterbildung dar.
Diese wird aber ferner gebildet durch das Blut, aus dem heraus
gehandelt wird. Hier werden wir zu unterscheiden haben zwischen
allgemeinen Grundzügen der menschlichen Natur und den Eigenarten
besonderer Gruppen von Menschen.
Es ist handgreiflich, daß ein großer Teil der Gleichförmigkeiten
des sozialen, insonderheit des wirtschaftlichen Geschehens, auf die
gleiche Menschennatur zurückgeht: Hunger, Liebe, Machttrieb sind
nun einmal das Erbteil unseres Geschlechts, und daß wir überhaupt
„wirtschaften“, das heißt immer wieder Dinge der äußeren Natur
unserem Bedarfe dienlich machen, immer wieder, bringt einen Zug
von Einförmigkeit in unser Handeln, der überragend alles sonstige
Verhalten bestimmt. Daneben wirken Sonderveranlagungen bestimm-
ter gleichgearteter Blutsgemeinschaften vereinheitlichend in engerem
Kreise und schaffen verschiedene Zonen gleichförmigen Geschehens.
Rassen und Rassenmischungen bilden wohl die Grundlage der ein-
heitlichen Charakterbildung. Und ein Blick auf die Gleichförmigkeit
bestimmter Züge der Wirtschaft etwa im Bereiche germanischer
Völker einerseits, slawischer Völker andererseits bestätigt die Richtig-
keit dieser Vermutung: Max Weber hat einmal die Eigenart der
polnischen Bauernsiedlung im Gegensatze zu der der deutschen auf
den kleineren Magen der Slawen zurückgeführt.