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des deutschen Tarifs ausdrücklich gebilligt: insbesondere wird die Herabsetzung
einiger Zölle auf Rohstoffe und .Halbfabrikate alo eine Erleichterung der
einheimischen Gewerbthätigkeit und die Ermäßigung der Getreide,olle alo
eine Entlastung der unbemittelten Bevölkerungsklassen melìaci' ausdrücklich
willkommen geheißen. Nicht wenige Handelskammern, wiez. B. die Aeltesten
der Kaufmannschaft zu Berlin, die Handelskammer zu Cottbus u. s. w.,
gehen weiter und betonen, daß deutscherseits wohl noch zahlreichere und be-
rechtlichere Zollherabiehungen hätten angeboten werden können, weil dadurcl>
wahrscheinlich auch mehr und bedeutendere Zugeständnisse in ausländischen
Zottherabsetzungeil würden erreicht worden sein.
Einen breiten Raum nehmen in den Berichten die theilweise sebr
bitter gehaltenen Beschwerden darüber ei», daß die Reichoregiernng ohne
ausreichende Befragung der Interessenten in die Vertragsverhandlungen
eingetreten, und im ganzen Laufe der Verhandlungen ohne nähere Fühlung
mit den sachkundigen Interessenten geblieben sei: der dadurch veranlaßte
Mangel an Information babe sich nothwendig als sehr nachtheilig für die
deutschen Interessen erweisen müssen. Die fast in allen Berichten gemachten
Angaben über die in den Vertragsfragen theils direkt, theile durch Ver
mittelung des deutschen Handelstages an die Reichs- und Staatsbehörden
erstatteten Gutachten lassen indessen erkennen, daß der Reichsregierung
jedenfalls sachverständige Auskünfte in großem Umfange zur Verfügung
gestanden haben; auch wird die Berechtigung dieser Beschwerden voie
mehreren Handelskammern, so in den Berichten von Köln, Erefeld u. s. w.,
auf ein angemessenes Maß zurückgeführt. Immerhin würde die Reichs
regierung sich manchen nicht unberechtigten Tadel erspart baden, wenn sie
rechtzeitig in engere Beziehung namentlich mit denjenigen Gewerbtreibenden
getreten wäre, welchen aufrichtig an dem Zustandekommen »euer Tarif-
vertrage mit gegenseitigen Zollermäßigungen gelegen war, und wenn sie
auch nach dem Abschluß der Verträge die Interessenten genügend über die
Grunde aufgeklärt hätte, welche die Erreichung mancher dringenden Wünsche
und Forderungen vereitelt haben.
Lau eie Grundgedanken der nunmehr erfolgreich begonnenen 'ļkMitif
gegenseitiger vertragsmäßiger Vereinbarungen über Zollsätze in den gewerb
treibenden Kreisen Deutschlands ganz überwiegend als richtig und fruchtbar
betrachtet werden, ergeben auch die in den Berichten fast ausnahmslos aus-
gesprochenen Wünsche nach weiteren Tarifverträgen. Diese Wünsche beziehen
sich einmal auf Verträge mit europäischen Staaten, durch welche die seit dem
l. Februar d. I. bestehenden Differentialzölle beseitigt und für den deutschen
Export wieder bessere Absatzbedingungen in Portugal und Spanien, in Rumänien
und Rußland geschaffen werten möchten. Nicht minder nachdrücklich werden