Full text: Die Entwickelung der Fabrikindustrie im lateinischen Amerika

Industrie. 
heblichen Gewinn zukommen zu lassen genötigt wären, daß 
sie durch den Ankauf der Rohstoffe einen Teil ihrer Gewinne 
in das betr. Land zurückfließen lassen müßten. 
Es braucht kaum erwähnt zu werden, daß die Kapital- 
überschüsse der fremden Fabrikanten, wenn sie außerhalb 
ihrer Entstehungsländer nutzbar gemacht werden, deren 
Zahlungsbilanz nicht günstiger gestalten können, da sie schon 
ihrer Natur nach gar nicht zu den. wirtschaftlichen. Mitteln 
der betr. Länder gehören. Diese Tatsache darf nicht über- 
sehen werden, wenn man die volkswirtschaftliche Bedeutung 
der Industrie in den lateinisch-amerikanischen Ländern ver- 
stehen will, in denen die Gründung von Fabriken durch 
Ausländer eigentlich nur ein durch die Zollpolitik hervor- 
gerufener Notbehelf ist, der an sich nicht im Interesse ‘der 
Heimatindustrie des betr. Fabrikanten liegt, denn jede im 
Auslande mit europäischem Geld angelegte Fabrik vermin- 
dert die Ausfuhr dorthin. 
Aus diesen sämtlichen Ausführungen ist ohne weiteres 
zu entnehmen, daß wegen des Mangels von nationalem Zu- 
sammenhang der Fabrikanten mit den betr. Ländern und 
ihren wirtschaftlichen Interessen bei der Fortdauer des bis- 
herigen Zustandes eine die Volkswirtschaft hebende Fabrik- 
industrie auf lateinisch-amerikanischem Boden, vielleicht mit 
Ausnahme von Mexiko, zunächst nicht aufkommen wird. 
Wenn wir gesehen haben, daß der Handel kein tüchtiges 
Bürgertum geschaffen hatte, das überschießende Kapitalien 
in kühnem Unternehmungsgeist mit Hilfe der Technik in den 
neuen Formen der Großindustrie verwandte, daß trotz der 
durch den Handel gewonnenen Überschüsse kein Kapital- 
und Kreditmarkt, keine Kreditorganisation entstand, die die 
ersparten Mittel an die richtigen Bedarfsstellen brachte, daß 
infolge des geringen Inlandsmarktes die Fabrikbetriebe nur 
klein sein können und daher mit höheren Betriebskosten 
arbeiten müssen als die Großbetriebe, daß der Stand der 
Lohnarbeiter fehlt, so sind das lediglich die Folge der bis- 
herigen Entwickelung dieser Länder. Es fehlen aber auch 
heute noch die auf die Beseitigung dieser hergebrachten 
Übelstände abzielenden staatlichen Maßnahmen. 
Die Regierungen haben an der zu ihren Einnahmen 
im Verhältnis zu dem Ausfuhrhandel mit Bodenerzeugnissen 
verschwindend wenig. beitragenden, rein dem örtlichen Markte 
dienenden Industrie nur ein geringes Interesse und haben 
ihr auch nicht ihre Mitwirkung in derselben Weise angedeihen 
lassen, wie wir dies in den großen Industrieländern zu sehen 
Q&
	        
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