vieh wird durch Kehlschnitt getötet und muß gut aus—
bluten.
Beschneidung ist bei den Falaschas sowohl als bei den
abessinischen Christen üblich, die letzten haben diese Maß—
nahme auch bei den Mädchen eingeführt. Die Einehe gilt
allgemein, das Konkubinat ist fast unbekannt. Ehescheidung
kommt, wenn auch selten, vor.
Die Festtage stimmen fast ganz mit denjenigen der Juden
in der übrigen Welt überein. Der Sabbat wird gefeiert
von Sonnenuntergang am Freitag bis zum gleichen Zeit—
punkt am Sonnabend. Der siebente Sabbat nach dem
Fassika-Fest, das dem jüdischen Passah entspricht, Lengata
Sanbat (altäthiopisch: Lengata — Liebe, Sanbat — Sabbat),
wird heiliger gehalten als die anderen. Zur Feier des⸗
selben muß die Hütte viel sorgfältiger gereinigt werden
als zum Sabbat. Nichts, was gärt, darf darin bleiben.
Ungesäuertes Brot, Kitta, ganz ähnlich der Matze, wird
gegessen. Esterai entspricht dem Yom Kippur. Es ist
nur ein Totengedenktag, nicht ein Tag der Buße, wie sonst
bei den Juden. Der Kol Nidre ist nicht bekannt. Esterai
ist ein vollkommener Fasttag, der selbst für kleine Kinder
gilt. Man verbringt den ganzen Tag in der Synagoge.
Am Abend findet ein Festmahl statt, und zwar nicht nur für
die Menschen — auch für die Vögel werden Körner aus—
gestreut.
Die beiden großen Feste Purim und Chanuka sind den
Falaschas unbekannt.
Die Frage der geistigen und physischen Stärke der Fa⸗
laschas ist Gegenstand umfangreicher Erörterungen gewesen.
Nahoum berichtet, daß er sie schwach, degeneriert und un—
fruchtbar gefunden habe, aber er und die meisten anderen
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