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das Geldeinkommen 5 sich nur 1 Stück kaufen konnte, kann er sich jetzt 2
kaufen, aber für das Geldeinkommen 30 erstand er früher 6 Stück, so daß
sein Realeinkommen in unserem Beispiel um 66,6 Prozent gefallen ist. Um
gekehrt sehen wir, daß der Gläubiger einen Gewinn erzielt.
In analoger Weise können wir den Fall untersuchen, daß die Kaufkraft
des Geldes auf die Hälfte sinkt, etwa unter dem Einfluß einer Notenemission
im Kriegsfall, wie wir sie oben besprochen haben. Da die Schuldsumme un
verändert bleibt, hat der Schuldner einen erheblichen Gewinn, in unserem
Falle von 33,3 Prozent. Der Gläubiger dagegen hat einen Verlust.
Wie ich schon flüchtig erwähnte, ist es in der Praxis sehr schwer,
das Realeinkommen ins Auge zu fassen, weil die Kaufkraft des Geldes
sich verschiedenen Waren gegenüber in verschiedener Weise ändert und man
diese Veränderungen nicht ohne weiteres addieren kann. Es ist eine viel erörterte
Frage, ob man überhaupt eine theoretisch völlig zulässige Methode angeben
kann, welche es gestattet, die „Gesamtkaufkraft“ verschiedener Zeitpunkte mit
einander zu vergleichen. Auch die unmittelbare Vergleichung verschiedener Real
einkommen macht erhebliche Schwierigkeiten, wenn diese Realeinkommen aus
verschiedenen Bestandteilen zusammengesetzt sind. Es kann ja z. B. das Wohnen
teurer, das Essen billiger geworden sein, und daher können sich z. B. die
Wohnungsverhältnisse verschlechtert, die Nahrungsverhältnisse verbessert haben.
Wie man aber die Änderung im ganzen zu bewerten hat, kann fraglich bleiben.
Das sind aber Probleme, auf die ich nur hinweisen wollte, um zur Vorsicht
zu mahnen.
Nach dem Gesagten ist es klar geworden, daß im Falle einer Kaufkraft
veränderung des Geldes die Bevölkerung nicht als einheitlicher Körper be
trachtet werden darf. Wir sehen nun auch, wer aus dem „guten“ Geld Ge
winn zieht, wer in seinem Interesse dafür eintreten wird, daß die Kaufkraft
des Geldes steigt ; es sind dies vor allem die Geldverleiher, die Bankiers,
daneben aber auch andere Bevölkerungsgruppen, deren Interessen mit denen
der Bankiers sonst keineswegs zusammenfallen, nämlich die Beamten. Vor
allem sind es jene Beamtenschichten, die nicht verschuldet sind. Ein Staats
beamter und Offizier kann im allgemeinen nicht damit rechnen, daß sein Ein
kommen entsprechend der Kaufkraftveränderung geändert wird. Sinkt die
Kaufkraft des Geldes, so findet meist nur nach vielen Verhandlungen und sehr
langsam eine entsprechende Erhöhung der Gehälter statt. Der Staatsbeamte
ist daher während längerer Zeiträume seinem Einkommen nach mit einem
Rentner vergleichbar, der eine unveränderliche Geldsumme erhält, unabhängig
von der Kaufkraft des Geldes. Der Staatsbeamte kann nicht so leicht Ände
rungen der Verträge durchsetzen, wie etwa der Arbeiter. Wenn sich die Kauf
kraft des Geldes erheblich ändert, so kann der Arbeiter durch Streiks seine
Position verbessern. Streiks der Beamtenschaft sind im großen und ganzen
praktisch nicht in Rechnung zu ziehen, zum Teil sind sie sogar durch eigene
Bestimmungen unmöglich gemacht oder sehr erschwert. Die Staatsbeamten
und Offiziere sind daher wesentlich auf die Parlamente angewiesen. Alle
diese Momente sind für den Kriegsfall von größter Wichtigkeit.
Es ist nach dem Gesagten verständlich, daß es zuweilen agrarische
Kreise sind, welche der steigenden Kaufkraft des Geldes wenig freundlich
gegenüberstchen und daher Emissionen von Noten oder minderwertigem metal
lischen Zeichengeld vielfach begrüßen. Es hängt dies zum Teil damit zu
sammen, daß ein großer Teil der Landwirte hypothekarisch belastet ist und
die sinkende Kaufkraft ihnen die Abzahlung der alten Schulden erleichtert.
Wenn daher während eines Krieges durch Zeichengeld-
ausgabe die Kaufkraft des Geldes sehr sinkt, kann dies
die Entschuldung der Landwirte fördern.
Die Wirkungen der Geldvermehrung auf die Kaufkraft sind übrigens
nicht an das Zeichengeld gebunden, sie können auch bei vollwertigem Geld
auftreten. Es wäre durchaus denkbar, daß z. B. die Goldausbeute derart zu
nimmt, daß in Österreich-Ungarn durch die vermehrten Prägungen von Zehn-
und Zwanzig-Kronenstücken die Kaufkraft des Geldes abnimmt. Wir besitzen
in dieser Beziehung bereits wichtige Erfahrungen. In den siebziger Jahren