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Weltanschauung.
nischen Welt finden —, um so mehr wird unleugbar, daß
der Mensch einen Teil bildet der Natur selber.
So stirbt denn schließlich die alte anthropocentrische Be—
trachtungsweise aus, die in der Natur im Grunde nur eine
zum Nutzen des Menschen getroffene Einrichtung sah; und eine
neue anthropocentrische Betrachtung kann nur dadurch gewonnen
werden, daß die Einsicht erwacht, man erkenne die Welt nur
durch Vermittlung der Seele und somit nur im Bereiche der
aneignenden seelischen Triebe und Eigenschaften. Dieser neue
Anthropocentrismus nicht mehr praktischen, sondern theoretischen
Charakters ist bekanntlich erst eine Errungenschaft des subjekti⸗
vistischen Zeitalters, in Deutschland speziell der Kantschen
Philosophie; nach den enthusiastischen Übertreibungen der
Identitaͤtsphilosophie, die bis zu einer intellektualistischen In—
korporation der Erscheinungswelt in die Menschenseele fort⸗
schritt, ist er heute allgemein und im wesentlichen im Sinne
Kants angenommen. Kants Auffassung aber hebt in diesem
subjektiven Anthropocentrismus die Erscheinungswelt keineswegs
auf; denn nach ihm reichen die reinen, von den Anschauungs⸗
formen befreiten Begriffe sehr wohl dazu hin, auch das
Dasein der Objekte zu erweisen: nur deren Dasein zugleich zu
bestimmen sind sie nicht geeignet. Und so besteht denn auch
nach der Kantschen Erkenntnistheorie der Gegensatz von Subiekt
und Objekt, von Natur und Geist.
Daß sich aber der metaphysische Trieb mit diesem Gegen—
satze zugleich in den Verlauf der psychischen Entwicklung
der europäischen Völkerfamilie gestellt sah und noch gestellt
sieht, unterliegt keinem Zweifel. Denn wenn es gilt, in irgend
einer Weise das Rätsel einer Verbindung der Welt als Materie
(als Realgrundes) und der Welt als Bewußtsein (als Ideal⸗
grundes des Seins) zu lösen und von dem Realgrunde bei
Licht besehen nichts bekannt ist, als daß er bestehe, so liegt
auf der Hand, daß das Nachdenken über dies Rätsel von der
jeweiligen Ausbildung des Bewußtseins abhängig ist: — Be—
wußtsein aber heißt nichts als jeweilig zu klarer Vorstellung
gelangte Summe psychischer Potenzen, jeweilige psychische