Full text : Der Weltmarkt 1913 und heute

Die Reorganisation der Weltwirtschaft

11.

tigt werden. Bisher ist nach dem Weltkrieg der entgegengesetzte
Weg beschritten worden. Es kam einem jeden Staat darauf an,
die ihm gewordenen Schäden auf andere Staaten überzuwälzen, die
Sieger auf die Besiegten und die Sieger untereinander auf die bestgestellten
 unter ihnen. An Stelle einer Behebung der Gesamtschäden,
welche die Weltwirtschaft durch den Krieg erlitt, herrschte das Bestreben,
 diese Schäden möglichst auf andere zu isolieren und als
Mittel hierzu dient der von uns geschilderte weitgehende Protektionismus.
 Was hiermit „erreicht“ worden ist, zeigt der heutige
Stand der Weltwirtschaft.
Es fragt sich, ob die in die Weltwirtschaft verflochtenen Länder
eine andere, die entgegengesetzte Richtung einzuschlagen vermögen;
ob sie sich allmählich bereitfinden werden, an Stelle der die Weltwirtschaft
 versperrenden Begrenzung durch hohe Zölle freihändlerische
 Tarife zu setzen, selbst wenn hier zunächst einzelne
„nationale“ Fortschritte bedroht erscheinen, diese Politik aber einzuschlagen,
 damit durch die Verstärkung des internationalen Wettbewerbes
 eine Reduzierung der Erzeugungskosten, eine Verbilligung
der Waren und damit eine Steigerung des Absatzvolumens stattfinde:
 es fragt sich, ob die überseeischen Gebiete bereit sind, wenigstens
 einen Teil der ihnen so rasch zugefallenen kostspieligen Selbstversorgung
 zu opfern, um ihre landwirtschaftlichen und rohstofflichen
 Erzeugungen auf eine um so gesündere Basis zu stellen; es
Iragt sich, ob die Arbeiterschaften verschiedener Länder den Mut
und die Selbsthingabe aufbringen, auf ihnen naheliegende, gewiß
sozialpolitisch höchst erstrebenswerte Ziele zu verzichten, so lange
diese zu einer gefährlichen Verteuerung der Erzeugung beitragen,
die solange nicht haltbar ist, wie der Bedarf der Welt nicht wieder
die Zeichen wachsenden Wohlstandes trägt; und es fragt sich letztens
 und erstens, ob die Staaten lernen können, daß man die unproduktiven
 Ausgaben des Weltkrieges nicht dadurch für die Siegerländer
 wirtschaftlich ausgleichen kann, daß man einen Teil der Welt
mit Schulden belastet.
Man sage nicht, daß unter diesem Gesichtspunkt die Genesung
der Weltwirtschaft nur „Opfer“, nur Abbau erfordere. Es gibt Entwicklungen
 genug, die auch in positiver Weise den weltwirtschaftlichen
 Aufbau fördern können, die keinen „Verzicht“ bedeuten. Da-Levy,
 Weltmarkt R
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.