fullscreen: Bankpolitik

25. Maßnahmen zur Herbeiführung der zeitlichen Ausgleichung usw. 103 
In neuester Zeit wurde mehrfach die (seinerzeit auch von Gilbart 
ausgesprochene) Ansicht vertreten, daß die Devisenpolitik in der Gegen 
wart an die Stelle der Diskontpolitik trete. Das bedeutet eine starke 
Ueberschätzung ihrer Leistungsfähigkeit. Die Notenbank mag im Juli 
einen größeren Bestand von Devisen sich sichern, dadurch den Wechsel 
kurs weniger günstig gestalten als es sonst der Kall wäre und im Sep 
tember dann diese Devisen abgeben und den Wechselkurs in die höhe 
treiben- sie kann so zwischen Monaten günstiger und Monaten ungün 
stiger Zahlungsbilanz einen Ausgleich schaffen, wenn der Aktivsaldo 
des einen und der Passivsaldo des andern sich die Wage halten: aber 
nur dann. Wenn ein Monat ein sehr hohes Passivsaldo der Zahlungs 
bilanz bringt — zum Beispiel bei rascher Entziehung auswärtiger 
Guthaben — dann mag der Devisenvorrat nicht ausreichen; ebenso 
versagt die Devisenpolitik, wenn ungünstige Zahlungsbilanz mehrere 
Monate hindurch andauert. Zn solchen Zeiten ist die Tätigkeit der 
Notenbank auf den Erwerb der im Inland befindlichen Devisen be 
schränkt, Erwerb von Devisen im Ausland kommt nicht in Betracht. 
Die Bedeutung der Devisenpolitik liegt in der Ausgleichung der Schwan 
kungen der Zahlungsbilanz in den einzelnen Monaten — in abnormalen 
Zeiten, namentlich im Nrieg und bei dauernd ungünstiger Zahlungs 
bilanz muß sie notwendigerweise versagen. 
Auslandsguthaben. Gleich der Devisenpolitik dient die 
Anlage von Auslandsguthaben dem Ausgleich zwischen den Zeitpunkten 
günstiger und ungünstiger Zahlungsbilanz. Rußland, Japan und Italien 
haben in besonders starkem Maß solche Guthaben unterhalten; sie 
waren entweder aus auswärtigen Anleihen entstanden — wie der 
größte Teil der russischen und japanischen Guthaben — oder durch Non 
zentrierung der vom Ausland geschuldeten Zahlungen unter Belassung 
im Schuldnerstaat — wie die italienischen Guthaben. Rußland und 
Japan haben erhebliche Beträge für den Nupondienst der Anleihen 
zu leisten und beschafften sich die dazu erforderlichen Mittel in frem 
der Währung, indem sie einen Teil des Anleiheerlöses im Ausland 
stehen ließen. Die italienische Praxis stellt einen weit vorgeschritteneren 
Tgp dar: die italienischen Notenbanken haben eine vorzügliche Aus 
landsorganisation eingerichtet. Die in der Fremde arbeitenden Italiener 
pflegen jene Geldbeträge, die sie in die Heimat senden wollen, an die 
mit dem Va^lis,-Verkehr betrauten Auslandsbanken abzuliefern und 
die Notenbanken lassen von den so entstehenden Guthaben jene chuote 
im Ausland stehen, welche Italien zur Bezahlung von Passivposten 
der Zahlungsbilanz (namentlich für Warenimport) benötigt.
	        
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