fullscreen: Theoretische Sozialökonomie

$ 4. Der fortdauernde Produktionsprozeß. 
oder Heizung und müßte also als „unproduktiv‘‘ klassifiziert werden. 
Daß eine Scheidung der Dienste in produktive und unproduktive, je 
nach ihrem Verhältnis zu den materiellen Gütern, so großen Schwierig- 
keiten begegnet, deutet wohl an, daß dieser Unterschied keiner von 
wirtschaftlichem Gesichtspunkte aus wesentlichen Artverschiedenheit 
der Dienste entspricht, sondern ein künstlicher und unfruchtbarer ist. 
Wer die Konsequenz desselben so weit treibt, daß er die „unproduktiven“ 
Dienste vollständig aus dem Bereich der wirtschaftlichen Tätigkeiten 
und der Wirtschaftswissenschaft ausschließt, kommt zu offenbaren Ab- 
surditäten. 
$ 4. Der fortdauernde Produktionsprozeß. 
Es ist in der Wirtschaftslehre üblich gewesen, die Produktion ge- 
wissermaßen von einem technologischen Gesichtspunkt aus zu betrach- 
ten, als ob es die Aufgabe der Wirtschaftslehre wäre, den Ursprung der 
materiellen Güter zu erforschen und die verschiedenen Stadien ihrer 
Umwandlung im Produktionsprozeß zu verfolgen, um schließlich ihren 
Verbrauch zu betrachten. Diese Betrachtungsweise ist ohne Zweifel 
dafür mit verantwortlich, daß man die nicht in materiellen Dingen ver- 
körperten Dienste nicht als produktiv oder wirtschaftlich hat gelten 
lassen wollen und sich dadurch in unnötige Schwierigkeiten verwickelt 
hat. Sie hat oft die ganze Systematik der Handbücher der Wirtschafts- 
wissenschaft bestimmt, indem man sich verpflichtet fühlte, die technisch 
aufeinanderfolgenden Stufen des Produktionsprozesses auch in der 
Wirtschaftslehre in derselben Ordnung in Betracht zu ziehen und dem- 
gemäß mit der Urproduktion zu beginnen und mit der Konsumtion zu 
schließen. Sie ist endlich und vor allem auch für das vollständig schiefe 
Bild des wirtschaftlichen Produktionsprozesses, seiner Bedingungen und 
Mittel, das in der Wirtschaftslehre noch zum großen Teil vorherrscht, 
verantwortlich. 
Da also die ökonomische Wissenschaft den Produktionsprozeß als 
die technische Geschichte des Entstehens der einzelnen Güter zu schil- 
dern suchte, mußte auch der technische Ursprung jedes beim Produk- 
tionsprozeß mitwirkenden materiellen Gutes erforscht werden und jedes 
Produkt sich also in letzter Linie in Arbeit und von Natur frei dar- 
gebotene Materialien auflösen lassen. Dieses Ergebnis wurde einer 
Theorie zugrunde gelegt, nach welcher die Arbeit das einzige Produk- 
tionsmittel ist und aller Reichtum von der Arbeit geschaffen wird. 
Wir werden uns später mit. dieser Theorie, die in der ökonomischen 
Wissenschaft eine ebensogroße Rolle wie in den sozialpolitischen Pro- 
grammen gespielt hat, näher zu beschäftigen haben. Hier sei nur her- 
vorgehoben, wie stark diese Theorie von der hier in Frage stehenden 
technischen Betrachtungsweise der Produktion gestützt werden mußte. 
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