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gorie in die andere übergehen; nämlich mit der
Steigerung des Wohlstandes innerhalb einer Gesellschaft
werden gewisse Kulturbedürfnisse zu Gemeingütern und
Existenzbedürfnissen der Gemeinschaft und bilden da
durch das Unterpfand und die Existenzbedingung einer
bestimmten Kulturstufe.
Die Summe der gewöhnlich periodisch wieder
kehrenden Bedürfnisse nach bestimmten Güterarten,
die in ihrer Gesamtheit das wirtschaftliche Motiv (Be
dürfnisse) und Objekt (die Gewinnung der Güter) von
Individuum und Gesellschaft (z. B. Staat) bilden, macht
den wirtschaftlichen Bedarf aus. Der Bedarf ist somit
die Einheit von vielen Bedürfnissen oder ein durch
seine Allgemeinheit oder seine Periodizität und darum
Prävention in der Versorgung gesellschaftlich objek
tiviertes und an eine bestimmte Güterart angeknüpftes
Bedürfnis. Der Bedarf ist die psychische Triebfeder,
und seine Befriedigung ist das Ziel der wirtschaftlichen
Tätigkeit; er ist zugleich der Spiegel des Kulturgrades
und der Kulturart eines Landes oder einer Gesellschaft
innerhalb des Volkes (z. B. Frugalität oder Luxus bei
einer bestimmten Vermögens- und Einkommensverteilung)
„Der Bedarf ist ja die oberste Triebfeder aller Volks
wirtschaft, das Gewicht im Uhrwerk des Produktions
und Absatzprozesses, die Kraft, welche den stofflichen
Nachschub der Volkswirtschaft für Zwecke der materi
ellen Erneuei’ung des sozialen Körpers und aller seiner
Anstalten und Elemente bewirkt.“ 1 )
Die Bedürfnisse sind gegenwärtig oder zukünftig;
die ersten werden empfunden, die zweiten — vor
empfunden , antizipiert. Der Inbegriff der vorempfun
denen Bedürfnisse bildet die wirtschaftliche Vorsorge;
sie ist ein antizipierter Bedarf.
• ') A. Schaffte, Die Quintessenz des Sozialismus, 1879, S. 22.