% Der Eisenmarkt
der Textilien, insbesondere der feinen Garne, für die es noch immer
in der Welt eine dominierende Wettbewerbsstellung aufweist. In
der Eisenindustrie steht es in unmittelbarem Kontakt mit allen an-
deren Ländern dieser Erzeugung. Hier ist aber zu berücksichtigen,
daß nach den Angaben Prof. Henry Voelckers die Weltproduktions-
fähigkeit in Eisen und Stahl heute auf 120—150 Millionen Tonnen
geschätzt wird, während sie für das Jahr 1913 auf ca. 80—100 Mil-
lionen Tonnen berechnet wurde. Demgegenüber hat sich die tat-
sächliche Erzeugung der Welt aber nur wenig verändert und dürfte
mit ca. 72 Millionen Tonnen Roheisen und 74 Millionen Tonnen Stahl
ungefähr die Höhe der Produktion von 1913 erreichen.??) Also auch
hier mußte eine zwangsläufige Anpassung an den seit dem Kriegs-
ende verringerten Bedarf stattfinden.
Es ergibt sich aus den hier angeführten Beispielen zur Genüge,
warum die Steigerung der Preise gegenüber 1913 heute eine so
ungleiche ist. Überall entscheidet die Frage, inwieweit die Erzeu-
gung für den Weltmarkt (für den Inlandsmarkt ist das Walten der
Schutzzölle und Kartelle zu berücksichtigen) einer Anpassung an
die Bedarfsverhältnisse fähig war bzw. ist. Kann die Anbaufläche
verringert werden, kann eine Organisation für vorhandene abzu-
bauende Vorräte geschaffen werden, kann man in einer den Welt-
markt mehr oder weniger dominierenden Industrie eine Kontingen-
tierung oder Verringerung der Erzeugung durch Kartelle oder Kurz-
arbeitbestimmungen herbeiführen oder mehrere nationale Industrien
zu einer gemeinschaftlichen Verabredung (man denke auch zum Bei-
spiel an die jetzt erfolgte Übereinstimmung zwischen der deutschen
und der elsässischen Kaliindustrie %)) veranlassen, so ist natürlich
die Entwicklung der Preisverhältnisse eine durchaus andere wie
dort, wo diese Voraussetzungen fehlen. Hier würde erst ein für
32) Vgl. Neue Grundlagen der Handelspolitik. 1925. S. 350. Beach-
tenswert ist in diesem Zusammenhange die Feststellung des Economist
vom 25. Januar 1925. nach welcher im Jahre 1924 eine zwischen 40—50
Millionen Tonnen geringere Förderung der europäischen Kohlengruben
zur Deckung der heimischen und der Ausfuhrbedürfnisse genügte als
im Jahre 1913.
33) Mit gleichzeitiger Erwartung eines heilsamen Einflusses auf die
Preise. Vgl. Wirtschaftsbericht der Commerz- und Diskontbank vom
1. Juni 1925. 5S. 11.