Full text: Die deutschen Getreidezölle

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befürchtet, daß sich größere Kreise der Getreideproduzenten 
dann der Viehzucht zuwenden und den Viehzüchtern schwere 
Konkurrenz machen würden. Denn einmal genügt, wie 
später noch betont wird, die heimische Viehproduktion keines 
wegs dem Bedarf des Volkes und zweitens wird unser wachsen 
des Volk in immer steigendem Maße am Fleischverbrauch 
teilnehmen, sodaß nur eine bedeutende Ausdehnung unserer 
Viehzucht imstande sein wird, in absehbarer Zeit uns ge 
nügend mit Fleisch zu versehen. 
Der Nachteil der Getreidezölle für diese Schichten ist 
also offensichtlich und wird auch von diesen Kreisen selbst 
richtig erkannt. Das beweist die schon erwähnte Eingabe 
dos bayerischen Waldbauernbundes; das zeigen deutlich die 
Keden des christlich-sozialen Abgeordneten Ferdinand Reichs 
ritter von Pantz 1 ) im österreichischen Hause der Abgeordneten 
a m 30. November 1910 und 27. Juli 1911 und in der Gegen 
wart wieder die stürmischen Klagen vieler deutscher Bauern 
über die hohen Futtermittelpreise. Hat doch selbst die Vorstand 
schaft der christlichen Bauernorganisation jüngst unter dem 
Vorsitze des Dr. Georg Heim die Suspendierung der Maiszölle 
Ve rlangt. Und auch die Teuerungsdebatte des bayr. Landtages 
Anfang Oktober dieses Jahres brachte manches wertvolle Zu 
geständnis der Schutzzöllner über die nachteiligen Wirkungen 
der Getreidezollpolitik. Dr. Heim erwärmte sich nicht bloß für 
vorübergehende Einfuhr gefrorenen argentinischen Fleisches 
Un d für Rückvergütung des Maiszolles an die Konsumenten, 
sondern trat auch für eine „Korrigierung des Futtergersten- 
z olles“ in der Weise ein, daß die Einfuhr geschroteter Gerste 
zollfrei bleiben solle. Zur Begründung dieses Vorschlages 
mgnete er sich völlig die Gründe der Zollgegner an, daß durch 
*) Vergl. auch Ferdinand Reichsritter von Pantz, _ Die Frage 
'Er Agrarzölle in der kommenden handelspolitischen Ära. Vortrag gehalten 
1111 Vederösterroichischen Gewerbeverein am 17. März 1911. Wien 1911.
	        
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