Full text : Statistical manual

144

„Die  Herrschaft  des  Wortes“,
um  eines  bloßen  Eindrucks  willen;  dieser  Eindruck  entstammt  dem
Treiben  jener  Worte,  als  Eingeborene  Fachausdrücke;  das  ist  aber
gerade  der  Tatbestand,  der  erst  zu  erklären  wäre,  die  Schale!  Nur
damit  hat  also  diese  Bezeichnung  zu  tun,  trotz  ihres  tiefen  Klanges;
nichts  mit  dem  Kern  des  Sachverhaltes,  nur  mit  jenem  Verhältnisse
der  bloßen  Worte.  Der  Tatbestand  also,  der  damit  vorliegt,  wird  nicht
im  geringsten  erklärt;  er  wird  einfach  zur  Kenntnis  genommen,  und
gleichsam  nur  unter  der  Vorspiegelung,  ihn  zu  erklären.  Nach  Erklärung ­
  tönt  eben  nur  das  Wort.
Diese  Sorte  Erklärung  läßt  es  aber  gar  nie  zum  Bewußtsein
kommen,  daß  hier  etwas  seiner  Erklärung  harre!  Sie  bringt  den  Tatbestand ­
  unter  der  Maske  seiner  Erklärung,  und  täuscht  so  einen  Sachverhalt ­
  vor,  der  seine  Erklärung  schon  in  sich  selber  trüge.  Dann
kommt  es  nur  mit  den  Versuchen,  diesen  Sachverhalt  als  solchen  zu
würdigen,  zu  einer  Erklärung;  wider  Willen  und  Wissen.  Solche  Erklärung ­
  krankt  wieder  unheilbar  daran,  daß  ihr  der  Wortlaut  der  Bezeichnung ­
  den  Weg  weist.  Worte  reiten  schnell,  und  wenn  ein  Tatbestand ­
  schon  als  das  Unerklärte  die  Bezeichnung  „Grundbegriffe“
abschmeichelt,  dann  liegt  es  nahe,  daß  der  letzteren  Wortlaut  sofort
wieder  in  die  Sache  zurückspricht,  und  alles  Mögliche  erklärend  hineinspricht, ­
  was  sich  doch  nur  aus  dem  Worte  heraushören  ließ,  durch
Verflechtung  von  so  und  so  vielen  Vorstellungskreisen.
Es  handelt  sich  da  offenbar  um  die  Aussagen  über  Sinn  und  Geist
der  Bezeichnung;  mit  ihnen  wird  unbewußt  das  Dasein  der  Eingeborenen
Fachausdrücke  zu  erklären  gesucht.  Aber  wie  es  von  diesen  Aussagen
gilt,  daß  sie  den  Ernst  der  Bezeichnung  nur  zum  Scheine  retten,  so
gilt  von  ihnen  auch,  daß  sie  in  Sachen  dieser  Erklärung  nichts  mehr
gutmachen  können.  Sie  gehen  ja  alle  davon  aus,  daß  mit  den  auffälligen ­
  Worten  eben  die  „Grundbegriffe“  vorlägen:  sie  stellen  sich
somit  von  Haus  aus  auf  den  Boden  jener  wortschalen  Erklärung,  von
der  einmal  sicher  ist,  daß  sie  in  keiner  Weise  Erkenntnis  bedeutet,
sondern  dem  wissenschaftlichen  Denken  aus  Verhältnissen  überkommt,
die  ihm  übermächtig  sind.
So  führt  der  Abspruch  über  die  nationalökonomische  Bezeichnung
„Grundbegriffe“  die  Erkenntnis  mit  sich,  daß  innerhalb  der  Pflege  dieser
Wissenschaft  ein  Tatbestand  vorhanden  ist,  der  seiner  Erklärung  harrt:
das  Dasein  Eingeborener  Fachausdrücke!  Dieser  Tatbestand  bleibt  nicht
schlechthin  als  das  Unerklärte  zurück;  als  etwas,  das  seiner  Erklärung
bedürftig  ist,  taucht  er  überhaupt  erst  damit  auf,  daß  man  jener  Bezeichnung ­
  den  Prozeß  macht.  Daß  hier  eine  Erklärung  aussteht,  war
unseren  herkömmlichen  Anschauungen  erst  abzuringen;  die  geben  sich
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.