Kap. IV.
Widerlegung der Malthusschen Theorie.
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lichen Staaten? Ist nicht England, wo die Bevölkerung noch dichter
als in den östlichen Staaten ist, auch inr Verhältnis reicher? wann
findet inan den Reichtum am verschwenderischsten unproduktiven
Zwecken, wie prächtigenGebäuden, schönenMöbeln,luxuriösenEquipagen,
5tatuen, Gemälden, Gärten und pachten gewidmet? Ist es nicht
dann, wenn die Bevölkerung am dichtesten, keineswegs aber wenn sie
am dünnsten ist? Wo findet man die meisten solcher Leute, die selbst
nicht produktiv arbeiten und die zu erhalten die allgemeine Produktion
genügt —> Rentiers und vornehme Müßiggänger, Diebe, Polizisten,
Diener, Advokaten, Schriftsteller und dergleichen? Ist es nicht da,
wo die Bevölkerung dicht, keineswegs aber da, wo sie schwach ist? woher
kommt das überströmende Kapital zu gewinnbringender Anlage? Kommt
es nicht aus den dicht bevölkerten Ländern zu den schwach bevölkerten?
Alles dies zeigt unwiderleglich, daß der Reichtum am größten, wo die
Bevölkerung am dichtesten ist, daß die Güterproduktion, die auf eine
gegebene Summe von Arbeit kommt, mit steigender Bevölkerung zu
nimmt. Alles dies ist sichtbar, wohin wir unsere Blicke auch wenden.
Auf gleichem Niveau der Zivilisation, ans gleicher Stufe der produktiven
Gewerbe, der politischen Verfassung usw. sind die bevölkertsten Länder
immer die reichsten.
Nehmen wir einen besonderen ^all und zwar einen Fall, der von
allen, die angeführt werden können, auf den ersten Blick die uns beschäf
tigende Theorie am besten zu unterstützen scheint —> den Lall eines
Tandes, wo der Lohn stark gesunken ist, während die Bevölkerung sich
bedeutend vermehrt hat, und wo es keine Sache zweifelhafter Schlüsse,
sondern offenkundige Tatsache ist, daß die Freigebigkeit der Natur sich
vermindert hat. Dies Land ist Kalifornien. Als nach der Entdeckung
öes Goldes die erste Einwanderungswoge sich über Kalifornien ergoß,
fand sie ein Land, in welchem die Natur in großmütigster Geberlaune
war. Die glitzernden Niederschläge von Jahrtausenden konnten an Fluß-
ufern und Sandbänken mit den primitivsten Werkzeugen in Beträgen,
die einen durchschnittlichen Tagelohn von einer Unze (\6 Dollars) er
gaben, gesammelt werden. Die mit saftigen Gräsern bedeckten Ebenen
wimmelten von zahllosen Herden von Pferden und Rindern, so zahl
reich, daß es jedem Reisenden frei stand, seinen Sattel auf ein frisches
Aoß zu werfen oder ein Rind zu töten, wenn er ein Stück Fleisch brauchte,
wofern er nur die Haut, das einzig wertvolle, dem Besitzer zurückließ.
Dem reichen Boden, der zum erstenmal unter Kultur kam, entsprossen
uach bloßem Pflügen und Säen Ernten, wie sie in älteren Ländern —
wenn überhaupt — nur durch reichlichstes Düngen und sorgsamste Be
bauung zu erhalten sind. Inmitten dieser Freigebigkeit der Natur waren
^ie Löhne und Zinsen in dem früheren Kalifornien höher als sonst
irgendwo.
Diese jungfräuliche Freigebigkeit der Natur ist unaufhörlich ge
wichen vor den größeren und immer größeren Anforderungen, welche