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Zuerst die Rohstoffe. Obwohl die Eisenerzförderung im Ural
gebirge schon mehr als zweihundert Jahre dauert, bildet dieses Gebiet
bis jetzt eines der größten Eisenerzlager der Welt 1 . Seine Erze
sind leicht schmelzbar und enthalten einen hohen Prozentsatz des
metallischen Eisens (durchweg 60°/ o ). Etwas anders ist es hier mit
dem Heizungsmaterial, insbesondere mit der für den Schmelzungs
prozeß nötigen Kohle. Die Schmelzung beruht hier bis heute aus
schließlich auf der Verwendung der Holzkohle. An sich bildet die
Holzkohle für die Eisengewinnung einen ganz passenden Rohstoff.
Da sie vollständig von den verschiedenen schädlichen Beimischungen
frei ist, hat sie ans diesem Grunde sogar einen Vorzug vor der
Steinkohle. Ihre Nachteile bestehen aber darin, daß sie sich be
deutend teuerer als Steinkohle stellt und mit der Massenvernichtung
der Wälder verbunden ist 1 2 3 * . Auch die Produktivität der Hochöfen
auf Holzkohle ist bedeutend geringer als die auf Steinkohle, da
die Steinkohlenfeuerung eine etwa doppelt so große Verhüttung
ermöglicht.
Da aber im Ural eine große Menge Wälder vorhanden ist, die
sonst keine rentablere Verwendung finden und eigentlich von den
schon existierenden Eisenwerken selbst nur teilweise ausgenutzt werden
(etwa 1 / 8 der Gesamtfläche), so kann man schließen, daß bei der
rationellen Verhüttungstechnik die Uralscheu Eisenwerke in der
nächsten Zeit auch mit Holzkohle gewinnbringend werden arbeiten
können.
Aber auch die Verwendung der Steinkohle ist im Uralgebiete
nicht ausgeschlossen. Erstlich besitzt der Ural selbst an verschiedenen
Orten Steinkohlenlager, einige sogar mit einer Kohle, die zu Koks
verarbeitet werden kann. Diese Lager sind aber bis jetzt sehr wenig
untersucht und haben keine Eisenbahnverbindung, so daß hier die
Steinkohlengewinnung bis zur Gegenwart minimal war. Außerdem
kann man für die Uralsche Roheisenproduktion auch die sibirischen
Steinkohlenlager benutzen, die nach verschiedenen Angaben von aus
gezeichneter Qualität sind und zu den größten der Welt gehören 8 .
Im Uralgebirge befinden sich auch zahlreiche Gruben von Kalk,
Mangan, feuerfestem Ton usw.
i Wir sehen also, daß im Ural alle für die Eisenindustrie not
wendigen Rohstoffe reichlich vorhanden sind.
Endlich ist auch die geographische Lage des Gebirges auf der
Grenze zwischen dem europäischen und asiatischen Rußland außer-
1 Dehn, a. a. 0., 8. 113,
2 Man rechnet gewöhnlich, daß bei rationeller Forstwirtschaft für die jähr
liche Gewinnung von 1000 Pud ßoheisen eine Fläche von 250 Dessjatinen Wald
nötig ist.
3 Die Lager befinden sich nicht weit von Kusnezk und erstrecken sich über
eine Fläche von 44000 Quadratwerst. (Dehn, S. 39).