Full text: Das Lebenswerk von Karl Marx

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arbeitn nur einen Teil seiner Arbeit im Arbeitslöhne vergütet erhält, 
während ein anderer, immer mehr anwachsender Teil unbezahlt bleibt, 
dessen Ertrag der Unternehmer ohne Entgelt in der Gestalt des 
Mehrwerts sich aneignet. Jeder, der auch nur etwas in den Geist 
des Marx'schen Systems eingedrungen ist, weiß nun, daß dieser 
Feststellung keinerlei ethische Färbung anhaftet, daß Marx sein Wert 
gesetz ganz und gar nicht etwa entwickelt habe, um den Nachweis zu 
führen, daß dem Arbeiter ein Teil seines Arbeitsertrages „nnrecht- 
mäßigerweise" vorenthalten, daß er vom Unternehnler „in scham 
loser Weise" ausgebeutet werde (um daran etwa die sittliche Forderung 
auf den „vollen Arbeitsertrag" zu knüpfen). Weiß, daß in dem ganzen 
Marx'schen System (als solchem) „kein Gran Ethik" steckt; daß 
auch das Wertgesetz keine andere Bedeutung hat als die übrigen 
Lehren, nämlich die: den Beweis für die Behauptung zu führen, daß 
unsere Wirtschaft sich mit Naturnotwendigkeit in einer bestimmten 
Richtullg entwickle, die unausweichlich zum Sozialismus führen 
müsse. Weiß, daß gerade in der Ablehnung aller ethischen Raisonne 
ments die spezifische Eigenart des Marx'schen Denkens liegt, daß 
Marx besonders stolz darauf war, den Sozialismus nicht mit einem 
Appell an die „ewige Gerechtigkeit" (wie Engels spottet), sondern 
mit deul Nachweis eines natürlicheil Verlaufs der Ereignisse be 
gründet zu haben, nicht als ein Soll, sondern als ein Muß; daß 
also in diesem Denkzusammenhangc eine ethisch orientierte Wcrtlehre 
platter Unsinn sein würde. Tut alles nichts. Für sicher einen sehr 
großeil Teil der Marxgläubigen hat der Meister den Nachweis er 
bracht: daß die Arbeiter einen Teil ihrer Arbeit dem Unternehmer- 
unbezahlt zur Verfügung stellen müssen, daß das „Ausbeutung", nieder 
trächtige. gemeine Ausbeutung ist, und daß man die Hunde totschlagen 
müsse. „Von Rechts wegen". Man lese noch heute die sozial-
	        
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