PROPAGANDAMÖGLICHKEITEN
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Stuhl des Gastes stehen bleibt, um ihm die Karte sofort wieder
wegzunehmen, so wird die Reklame natürlich ihren Zweck
verfehlen. Muß der Gast seine Auswahl in Eile treffen — ich
spreche aus Erfahrung, die rare Speisen- oder. Weinkarte ist
mir schon in manchen, sonst gut geführten Häusern begegnet
— so bleibt ihm natürlich keine Zeit, einen Blick auf die Liste
der empfohlenen Hotels zu werfen. Dann bringt man seine
Kollegen um die Wirkung dieser Reklame. Kann der Gast die
Karte aber längere Zeit behalten, so wird ihm, wenn er allein
ist, schon die Langeweile zu aufmerksamerem Betrachten ver-
anlassen, zumal es in guten Hotels nicht Sitte ist, sich hinter
entfalteten Zeitungen zu verschanzen. Der gut erzogene Gast
liest im Speisesaal des gut geführten Hotels keine Zeitung.
Die Menukarte ist gewöhnlich nur klein. Oft wird die Karte
von einer Sektfirma, vielleicht auch von einer Zigarettenfabrik
oder dergleichen gratis geliefert. Es befindet sich also schon
deren Reklamebild und Aufdruck auf der Vorderseite. Nun,
dann wird die Rückseite noch genügend Raum für den Auf-
druck der Empfehlungen lassen. Es genügen kleine Typen, nur
muß eine klare, gut lesbare Schriftart gewählt werden. Da die
Menukarte gern eingesteckt und mitgenommen wird, empfiehlt
es sich ganz besonders, auf ihr die Empfehlungen anzubringen.
Am Fuße der Karte könnte auch eine Aufforderung stehen, die
Karte mitzunehmen.
Zu diesem Kapitel war die Beigabe von Bildmustern nicht
möglich. Doch ich will wenigstens an einem Beispiel aus der
Praxis zeigen, wie die Speisen- oder Menukarte sich zu einer
indirekten Reklame für das eigene Geschäft verwenden läßt. Das
auf S. 389 wiedergegebene Bildchen: „Ne buvez jamais d’eau“,
zierte die Rückseite eines der vornehmsten Weinrestaurants im
Bois de Boulogne von Paris, des weltbekannten Cafe de Paris.
Es ist echt gallischer Humor und französische Ungeniertheit,
wie. durch diese flotte, winzige, ein wenig an das berühmte
Männeken Piss in Brüssel erinnernde Zeichnung den Gästen
das Wassertrinken verekelt und der Weingenuß empfohlen
wird. Motive dieser Art, wenn auch weniger keck und drastisch,
würden sich vielfach finden lassen, um die Speisen- und Menu-
karte in den Dienst des eigenen Weinkellers zu stellen. Der
Versuch dürfte sich lohnen.
_ Die Reklameindustrie hat sich selbstverständlich auch der
Speisenkarten bemächtigt. Entweder liefert sie die mit