Full text: Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

Wieland & Cie., Messingwerke in Ulm a. D. 
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C. SONSTIGES. ERHOLUNGSURLAUB UNTER GEHALTSFORTZAHLUNG wird den 
Angestellten und besonderen Arbeitern, je nach dem Dienstalter in verschiedener Dauer, 
bei den mittleren Angestellten bis zu 14 Tagen gewährt. 
PRÄMIEN. Die Lehrlinge, deren Zeugnisse in der Fortbildungsschule im Durch 
schnitt über befriedigend lauten, enthalten Prämien in Form von Büchern, Taschenmessern, 
Schieblehren, Formerwerkzeugen oder dergleichen im Werte von ca. 10 M. 
ZEICHNEN. In Vöhringen läßt die Firma selbst den Lehrlingen durch einen ihrer 
Techniker unentgeltlichen Zeichenunterricht erteilen. 
KANTINEGEBÄUDE. In Vöhringen hat die Firma ein Kantinegebäude mit ge 
räumigem, schönem Saal und passenden Nebenräumen wie 
LESEZIMMER verbunden mit 
FABRIKBIBLIOTHEK und dergleichen errichtet. Dieser Saal der Kantine in Vöh 
ringen wird der kleinen evangelischen Diasporagemeinde Sonntags zur Abhaltung des 
Gottesdienstes zur Verfügung gestellt, wozu die Firma ein Harmonium, sowie Tauf 
und Abendmahlsgeräte gestiftet hat. 
D. WOHNUNGSFÜRSORGE. Neben einem großen Miethaus mit 16 Wohnungen von 
je 3 Zimmern, 1 Kammer nebst Küche und Zubehör und einem Gartenanteil, wofür je 
nach dem Stockwerk 260, 270 und 210 M. jährlicher Mietzins berechnet wird, hat die 
Firma in Ulm auch einen, wie man sagen kann, gelungenen Versuch gemacht, mit der 
Erbauung kleiner Arbeiterhäuser und deren Veräußerung an Arbeiter zum Selbstkosten 
preis gegen 10 % Anzahlung und Abzahlung des Restes durch Annuitäten. Die Häuser 
enthalten je eine dreizimmerige Wohnung für den Eigentümer und eine Mietwohnung 
und sind mit kleinen Gärten umgeben. Nach Abzahlung des halben Preises kann die weitere 
Abzahlung eingestellt werden und der Restkaufschilling als Hypothekenkapital zu 4 % 
stehen bleiben. Der Firma ist ein gewisses Aufsichtsrecht und für verschiedene Fälle ein 
Wiederkaufsrecht Vorbehalten, auch ist eine Erhöhung der Mietzinsen von ihrer Ge 
nehmigung abhängig und jeder Gewerbebetrieb in den Häusern untersagt. Acht solcher 
Häuser sind im Jahre 1903 und weitere acht im Jahre 1910 verkauft worden. Umfassender 
ist die Wohnungsfürsorge der Firma in dem Landort Vöhringen. Hier besitzt dieselbe 
48 Arbeiterhäuser mit 106 Wohnungen und ein großes Areal, auf welchem mit dem Bau 
weiterer Arbeiterhäuser nach Bedarf fortgefahren wird. 
Als das Zweckmäßigste haben sich Doppelhäuser erwiesen mit kleinen Gärten, mit 
den Eingängen an den entgegengesetzten Seiten, von denen jedes eine Dreizimmerwohnung 
mit Küche und Zubehör enthält. Einzelne sind auch als Vierzimmerwohnungen gebaut. 
Der Mietzins beträgt bei Dreizimmerwohnungen jährlich 140 M., bei Vierzimmerwohnungen 
jährlich 190 M. Aftervermietung ist an die Genehmigung der Firma gebunden und nur an 
Angehörige des Geschäfts gestattet. 
Außerdem gewährt die Firma an Arbeiter zur Erbauung bzw. zum Erwerb eigener 
Häuser in Ulm oder Vöhringen Darlehen zu billigem Zinsfuß und mit der Möglichkeit 
allmählicher Abzahlung. 
Wenn wir diese Darstellung unserer Wohlfahrtseinrichtungen der Öffentlichkeit über 
geben, geschieht dies nicht um Dank oder Anerkennung, sondern nur aus dem Bestreben zu 
zeigen, daß in Wirklichkeit in der Industrie das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Ar 
beitern nicht von dem Geist der Ausbeutung und Unterdrückung beherrscht wird, sondern 
daß die Arbeitgeber ernstlich und ehrlich bemüht sind, das Wohl ihrer Arbeiter zu fördern 
und so zu ihrem Teil zu dienen dem für beide Teile gleich wichtigen und hohen Gute: 
dem sozialen Frieden!
	        
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