Wohlfahrt des Menschen und auf das intellektuelle Vermögen des
bloßen Menschen, eine klägliche Verengung und Erniedrigung war
nicht zu vermeiden; der Mensch wird sich selbsi viel zu klein, wenn
er nicht ein Verhältnis zur Welt und eine Weltaufgabe in sich
trägt. Wird der Mensch ausschließlich auf sich selbsi angewiesen,
ob als Linzelner oder als Masse, das macht keinen wesentlichen
Unterschied, so bleibt ihm als Ziel des Ltrebens lediglich sein
eignes Befinden und Behagen, das glück als subjektives Lrgehen;
so wird er bei allen äußeren Erweiterungen geisiig an einen
Kerker gebannt; das aber kann einem denkenden und zur vollen
Helbsibesinnung geweckten Wesen nun und nimmer genügen.
öo sind wir heute in einer sehr unklaren, ja unerträglichen Lage:
der Mensch erscheint uns bald zu groß, bald zu klein; wir bedürfen
notwendig neuer Möglichkeiten, wir bedürfen einer durchgreifenden
Umwälzung, wir bedürfen eines neuen grundverhältnifses des
Menschen zur Welt. Begann die ältere Zeit vom ganzen der Welt
als einer vorhandenen grösie, so entbehrte das Leben einer vollen
Dreiheit und Ursprünglichkeit; begann aber die Weuzeit von den
einzelnen Llementen, und waren Dreiheit und Ursprünglichkeit die
Hauptanliegen, so gewann das Leben keinen fesien Halt und keine
volle Wahrheit, so drohte es immer wieder ins Bloßsubjektive und
Individuelle zu fallen. 5o wird es jetzt zu einer unabweisbaren
Qufgabe, Dreiheit und Wahrheit enger zu verknüpfen und aus l?orm
und Inhalt ein ganzes zu schaffen. Das aber kann nicht geschehen,
wenn nicht der grundbegriff des Menschen verändert und die Kluft
zwischen Mensch und Welt überbrückt wird; das Weltleben aber
hat seine fesien Bedingungen, und der Mensch muß ersi in dieses
gehoben werden, er muß verschiedene 5tufen durchlaufen, um die
Höhe des eigenen Wesens zu erreichen, er wird nicht absoluter
Hchöpfer, wohl aber ein Mitträger eines schaffenden Lebens; die
einzelnen Hauptrichtungen uud Lebensgebiete aber, wie Wissenschaft
und Kunst, Kelrgion und 5taat, sind nicht ein Werk der abgelösien
Punkte, sondern sie sind Erweisungen einer überlegenengesamtmachk,
die unmittelbar zum eignen Leben des Menschen werden kann.
Holche Überzeugung mußte auch den Kulturbegriff eigentümlich
gestalten, sie ergab auch eine neue Qrt der Metaphysik, sie war im
stande, das Dunkel der Welt vollauf anzuerkennen, aber von einer
Tatwelt aus einen Kampf dagegen aufzunehmen.
Doch das läßt sich hier nicht weiter ausführen, hier genügt die
Bemerkung, daß ich an dieser 5telle einen fesien Punkt zu ergreifen
und dem Leben eine deutliche Wichtung geben zu können über
zeugt war.
Wach geschehener Befestigung meiner Zrundüberzeugung konnte
ich frischer und freier in die Welt blicken und das Leben mutiger