Full text: Kartelle

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Reihe anderer Industrien den Wunsch geweckt, durch eine Zwangs- 
kartellierung die bestehenden Konkurrenzschwierigkeiten zu über- 
winden. Bei der unpräzisen Ausdrucksweise, die damals eingerissen 
war, kann man, wenn in der Literatur ‚der Kriegszeit von Vor- 
schlägen zu Zwangskartellen und Zwangssyndikaten die Rede ist, 
daraus allerdings noch nicht ohne weiteres schließen, daß wirklich 
Zwangskartelle in dem hier zugrunde gelegten Sinne gemeint waren, 
Wirkliche Zwangskartelle wurden aber z. B. von manchen Kreisen 
der Ziegeleiindustrie gefordert, und es wurde auch, obgleich 
es an Widerspruch aus den eigenen Reihen nicht fehlte, der Regie- 
rung der Entwurf einer entsprechenden Verordnung, die die zwangs- 
weise Bildung von Verkaufsverbänden sowie die Einführung der Ge- 
nehmigungspflicht für die Errichtung neuer Ziegeleien und die Er- 
weiterung der bestehenden vorsah, unterbreitet. Das Reichswirt- 
schaftsamt hat aber in einem Schreiben vom 3ı. Juli 1918*) diese 
Forderung abgelehnt, da es andernfalls eine Erschwerung oder Ver- 
teuerung des Wohnungsbaues befürchtete. In dem Schreiben heißt 
es u. a.: „Es mag richtig sein, daß die Leistungsfähigkeit der vor- 
handenen Ziegeleien auch den größten Bedarf, mit dem gerechnet 
werden muß, zu decken vermöchte, jedoch nur unter der Voraus- 
setzung, daß die Entfernung zwischen Erzeugungsort und Bauplatz 
nicht berücksichtigt wird. Daß jeder Ort, an dem ein größeres Be- 
dürfnis nach neuen Bauten entstehen wird, über Ziegeleien in solcher 
Nähe verfügt, daß er mit Ziegeln leicht und ohne verhältnismäßige 
Beförderungskosten und Schwierigkeiten schnell und voll versorgt 
werden kann, ist nicht anzunehmen und auch nicht festzustellen, da 
das Baubedürfnis vorher nicht übersehen werden kann. Die schwierige 
Lage der Ziegeleiindustrie rührt eben daher, daß das Gebiet, das ein 
Betrieb wirtschaftlich versorgen kann, zwar je nach den zur Ver- 
fügung stehenden Beförderungsmitteln größer oder kleiner, immer 
jedoch recht beschränkt ist, daß aber das Baubedürfnis stark wechselt. 
Immer wieder wird durch ein Baubedürfnis, das an anderen, zu den 
älteren Ziegeleien ungünstig liegenden Orten neu auftritt, die Ent- 
stehung neuer Ziegeleien notwendig, während das abflauende Bau- 
bedürfnis an den früheren Stellen den älteren Ziegeleien den Absatz 
entzieht. Dieser Übelstand für die Industrie liegt in der Natur des 
Erzeugnisses und der Verbreitung des Rohstoffes begründet. An 
den naturgemäßen Verhältnissen könnte durch künstliche Maßnahmen 
nur auf Kosten der günstigen und billigen Versorgung des Baube- 
.) Abgedruckt in der Tonindustrie-Zeitung 10918 II. S. 462.
	        
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