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setzes herrschen würde. Es hat im Gegenteil eine Zeit gegeben,
die eine geradezu wunderbare Organisation ihrer Volkswirtschaft be-
saß und dies war das Mittelalter mit seiner zünftigen Ordnung der
Industrie. Die Zünfte sind der großartigste uud gelungenste Ver-
such, die gewerbliche Produktion dem Bedarfe anzupassen, und sie
verstanden es, diese Aufgabe mit einem Takte zu lösen, der uns
heute noch zum Muster dienen kann“ (S. 96).
Auch in der Jetztzeit müsse an die Stelle der planlosen Wirt-
schaft wieder eine planmäßige Wirtschaftsführung treten, und zwar
müsse der Staat nach Analogie der mittelalterlichen Organisation die
Wege beschreiten, auf die die Kartellentwicklung hinweise. Die
Ziele der Kartelle: die Produktion dem Bedarfe anzupassen und sie
in angemessener Weise unter die einzelnen Produzenten zu verteilen,
seien gerechtfertigt und wünschenswert. Der Staat müsse deshalb
die Kartelle nicht nur gestatten und gesetzlich anerkennen, sondern
er müsse ihnen auch — damit sie ihr Ziel, die sämtlichen Unter-
nehmer jeder Branche im ganzen Staatsgebiet dauernd zu vereinigen,
erreichen könnten — „das ziemlich ausschließliche Recht
gewähren, die betreffenden Artikel zu erzeugen“, denn
eine Regelung der Gesamtproduktion nach Maßgabe des Gesamt-
bedarfs sei ohne ein gewisses Monopol der betreffenden Produzenten
absolut undenkbar (S. 162). Zur Bekämpfung etwaiger monopoli-
stischer Ausschreitungen ständen dem Staate genügende Machtmittel
zur Verfügung. Er müsse sich das Recht vorbehalten, neben den
privilegierten Kartellen neue Unternehmungen mit Rücksicht auf
den Gesamtbedarf zu konzessionieren. Ein zweites Mittel dieser Art
ergäbe sich aus der Zollgesetzgebung. Weitere Mittel und Wege,
eine gewisse Pression zu üben, würden sich durch die fortgesetzte
Praxis von selbst ergeben (S. ı81ı ff.).
Die staatliche Regulierung der so privilegierten Kartelle führe
zu einem Eingreifen in die Preisfestsetzung der Kartelle. „Wären
die Kartelle gesetzlich anerkannte Körperschaften, so könnte nicht
nur, sondern müßte sogar die Staatsverwaltung in ähnlicher Weise
auf die Festsetzung der Preise ihrer Artikel Einfluß nehmen, wie sie
dies gegenüber den Eisenbahnen tut“ (S. 169, ebenso S. 182).
Die Wirkungen, die Kl. von diesem System erhofft, sind sehr
weitgehende: „Zunächst würde durch dasselbe Ordnung in die unge-
regelte gewerbliche Produktion gebracht; die Produktion würde dem
Bedarfe angepaßt und damit wären die ewigen Krisen — Über-
produktion und Absatzstockung — beseitigt. Die gewerbliche Pro-
duktion, die heute mit einem bedeutenden wirtschaftlichen Risiko
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