achtung schenkt. Es sollte aber, mehr als das gewöhnlich geschieht,
betont werden, daß die Kartellbildung auf diese Gebiete nicht be-
schränkt ist, sondern auch in allen möglichen anderen Zweigen des
Wirtschaftslebens Bedeutung besitzt, so auch im Handel, im Eisen-
bahnwesen, in der See- und Binnenschiffahrt, im Bankgewerbe, im
Versicherungswesen usw. Eine geringere Rolle spielen sie in der
Landwirtschaft und in den freien Berufen, aber auch dort ist der
Kartellierungstendenz Beachtung zu schenken.
Im Folgenden sollen nicht alle Gebiete, auf denen Kartellbe-
strebungen sich bemerkbar machen, behandelt werden. Dagegen sei
auf einige Zweige, die in der Literatur gewöhnlich weniger be-
achtet werden, noch kurz eingegangen.
Kartelle in der Landwirtschaft. In der Landwirtschaft spielt die
Kartellbildung bisher nur eine geringe Rolle?). Das liegt nicht daran,
daß hier nicht auch eine Konkurrenz zwischen den verschiedenen
Produzenten bestände und daß nicht auch hier der Wunsch vorhanden
wäre, durch Milderung der Konkurrenz die wirtschaftliche Lage der
Landwirte zu bessern. Den Grund dafür bilden vielmehr besondere
Schwierigkeiten, die sich der Bildung landwirtschaftlicher Kartelle
in den Weg stellen. Sie beruhen vor allem auf der Riesenzahl der
für die landwirtschaftlichen Hauptprodukte in Betracht kommenden
Erzeuger. In zweiter Linie ist hinzuweisen auf die Schwierigkeiten,
die sich aus den vielen Qualitätsunterschieden der Produkte ergeben 2).
(Die Standardisierung der landwirtschaftlichen Produkte wird daher
eine Kartellierung erleichtern; umgekehrt würde das Bestehen eines
Kartells die Durchführung der Standardisierung sehr begünstigen.)
Sehr erschwerend ist drittens die Tatsache, daß bei den pflanzlichen
Erzeugnissen die Produktenmenge infolge der sehr verschieden aus-
fallenden Ernten starke Schwankungen aufweist 3). Ungünstig ist
*) In der Literatur werden vielfach auch Spiritus- und Zuckerkartelle als land-
wirtschaftliche Kartelle aufgeführt. (So auch bei Souchon ‚ Les Cartells de l’Agri-
culture en Allemagne, Paris 1903.) Das ist nicht richtig. Es handelt sich hierbei um
gewerbliche Kartelle, die der Landwirtschaft allerdings besonders nahestehen.
?) Da diese Unterschiede beim Vieh noch wesentlich größer sind als beim Ge-
treide, sind beim Viehabsatz die Hindernisse einer Kartellbildung extra groß, wie schon
die Erfahrungen der Viehverwertungsgenossenschaften zeigen. (Vgl. dazu Keiser,
Mittel und Wege zur Absatzförderung von Vieh und Fleisch in Deutsche Landwirt-
schaftliche Presse 1928, S. 309f., Ocker, ebenda, S. 312 f.) Einen gewissen Ansatz
zur Konkurrenzmilderung könnte man vielleicht in den Zuchtviehversteigerungen der
Zuchtverbände erblicken.
3) Übrigens kommt es auch in der Industrie vor, daß man die Menge der Er-
ZEURUNK Nicht beliebig regulieren kann. da nämlich, wo die betreffende Ware nur das