50
wird ein bestimmter Erzeugerpreis gehalten (27 Pf. je Liter mit Aus-
nahme der Monate Mai bis Juli); hiervon werden ı bzw. 2 Pf. ab-
gezogen und daraus die angeschlossenen Verarbeitungsmolkereien,
die die ganze Überschußmilch verarbeiten, für Verluste entschädigt !).
in einem Vortrag über „Die Organisation der Milchproduzenten
auf nationalem Gebiet als Grundlage internationaler Verständigungen
betreffend den Markt in Milch und Molkereiprodukten?) hat kürzlich
E. Laur ausgeführt: „Unzweifelhaft liegt die große Schwierigkeit
der Beeinflussung der Milchpreise in allen Ländern, in denen ein
Teil der Milch verarbeitet wird, darin, daß, sobald die Konsummilch
besser bezahlt wird als die technisch verarbeitete Milch, aus den
Käsereien und Molkereien Milch auf die Konsummilchmärkte kommt
und alle Preisabmachungen stört. Die Organisation muß deshalb
alle Produzenten umfassen und sie muß das Recht haben, die Art
der Verarbeitung der Milch vorzuschreiben. Das ist aber wiederum
nur erreichbar, wenn die Preise für die verschiedenen Verwertungs-
arten der Milch durch eine Zentralstelle ausgeglichen werden.
Zur Erreichung dieses Zieles müssen zunächst möglichst alle
Milchproduzenten in örtlichen Milchgesellschaften zusammengefaßt
werden. Wird die Milch an einen Großkäufer abgesetzt, so soll die
Genossenschaft und nicht der einzelne Landwirt den Vertrag ab-
schließen. Diese örtlichen Genossenschaften sind in Verbände mit
größeren Gebieten zu vereinigen. Das Einzugsgebiet einer größeren
Stadt ist möglichst in einem Verband zu organisieren. Dieser Ver-
band besorgt den. Ausgleich der Milch im eigenen und im Verkehr
mit fremden Verbandsgebieten. Am besten ist es, wenn der Ver-
band die ganze Milch übernimmt und selbst verkauft. Er kann sich
aber auch darauf berchränken, obligatorische Normalverträge her-
auszugeben und die Preise festzulegen... Er erhält in diesen Ver-
trägen das Recht, jederzeit zu bestimmen, in welcher Weise die
Milch verwertet werden soll.
Die Verbände schließen sich zu einem Landeszentralverbande
zusammen, Dieser bestimmt periodisch die Milchpreise. Er über-
nimmt entweder gegenüber den Milchkäufern eine Preisgarantie für
die Erzeugnisse oder er bezahlt Zuschüsse an diejenige Art der
Milchverwertung, die nicht einen dem Preise entsprechenden Ver-
edlungswert ergibt.
1) Über die amerikanische Dairymen’s League Cooperative Association vgl.
Tu ck in Proceedings of the Academy of Political Science (New York), Vol. XI, 1924/26,
S,. 108 ff.
’) Deutsche Landwirtschaftliche Presse, 19209, S. 543 ff.