Full text: Kartelle

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Käseexport unter Mitwirkung der Einzelfirmen besorgt. — Der Zen- 
tralverband bestimmt den Milchpreis und garantiert den Käsern 
einen entsprechenden Käsepreis. An die Butterproduzenten werden, 
soweit notwendig, Beiträge entrichtet. Die Käser müssen allen Käse 
zum vereinbarten Preise dem Zentralverband abliefern, . Dieser ver- 
kauft den Käse dann an die Käseunion, oft mit Gewinn, oft mit 
Verlust. Die Gewinne fließen in den Garantiefonds. Der Zentral- 
verband erhält auch etwa 50° der Gewinne der Käseunion, die 
ebenfalls dem Garantiefonds zufließen. Reicht dieser zur Deckung 
der Verluste nicht aus, so werden auf die Konsummilch Zuschläge 
von !/, bis ı Rappen je Liter erhoben. — In der Organisation be- 
steht insofern eine Lücke, als der Butterimport frei ist und das von 
den Produzenten verlangte Einfuhrmonopol für Butter abgelehnt 
worden ist. Auch die Butterzölle bieten keinen genügenden Aus- 
gleich. Man dehnt deshalb in der Schweiz die Butterfabrikation nur 
soweit aus, als für den Käseexport nicht genügend Absatz vorhanden 
ist. Da für die Butterpreise der Weltmarkt maßgebend ist, müssen 
die Butter fabrizierenden Molkereien zeitweise durch Zuschüsse zum 
Milchpreis unterstützt werden. In neuerer Zeit hat hierfür der Staat 
auch Beiträge gegeben. Die ganze Organisation hat sich bewährt. 
Sie ist vor einem Jahre durch Urabstimmung der Milchproduzenten, 
in der diese die Verpflichtungen betreffend Produktionsrichtung und 
Ablieferung der Erzeugnisse für 3 Jahre verbindlich unterzeichnen 
mußten, neu gestärkt worden. Dank dieser Organisation waren die 
Milchpreise in den letzten Jahren in der Schweiz etwa 5 Rappen 
höher als in den Nachbarländern.“ 
Riesengroß sind dagegen die Schwierigkeiten einer Kartel- 
lierung der Getreideanbauer. Infolgedessen hat man, als die 
internationale Konkurrenz auf dem Getreidemarkte immer schärfere 
Formen annahm, seine Hoffnung vielfach nicht auf Selbsthilfeorgani- 
sationen, sondern auf staatliche Maßnahmen (Zollschutz, Getreide- 
monopol und dgl.) gesetzt. Daneben hat aber auch der Gedanke 
einer Kartellbildung eine Rolle gespielt?). Schon in der Kornhaus- 
bewegung der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts war der 
Gedanke lebendig, daß die Landwirte sich zunächst zu kleineren Ge- 
treideabsatzgenossenschaften zusammenschließen, daß diese lokalen 
Organisationen dann aber einen großen nationalen Verband bilden 
und daß darüber hinaus internationale Verbände angestrebt werden 
ı\ Vgl. dazu auch das in Abschnitt IV über den österreichischen Entwurf eines 
zwangsweisen Zusammenschlusses der Landwirte Gesagte
	        
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