Full text: Kartelle

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sollten!). Wenn die auf die Kornhausgenossenschaften gesetzten Hoff- 
nungen auch nicht erfüllt sind, so sind ähnliche Pläne gelegentlich 
immer wieder aufgetaucht. Größere Erfolge auf diesem Gebiete sind 
in neuerer Zeit in Kanada und den Vereinigten Staaten erzielt worden. 
Die Entwicklung der dortigen Farmerpools?) zeigt, was unter Um- 
ständen auf diesem Gebiete zu erreichen ist, zugleich aber auch, 
welche besonderen Schwierigkeiten sich hier entgegenstellen. 
Einen interessanten Versuch hat man in Deutschland kürzlich 
mit der Gründung des Deutschen Weizenverbandes zur Regulierung 
des Weizenangebots gemacht. Die Deutsche Tageszeitung schreibt 
in ihrer Abendausgabe vom 8. Februar 1930 unter der bezeichnenden 
Überschrift „Viele Verkäufer verderben den Preis“ darüber: 
„Kein Landwirt weiß von dem Marktangebot des anderen. So kommt es regel- 
mäßig nach der Ernte zu Marktüberangeboten. Diese Überangebote bringen es mit sich, 
daß die Preise erheblich gesenkt werden. ... Die Landwirtschaft in Holland, Schweden, 
Dänemark, U. S. Amerika und Kanada hat den Beweis erbracht, daß den Landwirten 
durch Zusammenschluß ein bestimmter Einfluß auf den Agrarmarkt gesichert werden 
kann. Die Unsicherheit auf dem Weizenmarkt hat neuerdings — um Juli 1929 — 
in U. S. Amerika die „„Farmers National Grain Corporation‘‘ entstehen lassen. Sie 
wurde gegründet aus 650 000 weizenbauenden Landwirten und einigen lokalen Absatz- 
genossenschaften. Trotz dieser ungeheuer großen Zahl gelang ein Zusammenschluß. 
In Deutschland wäre es nicht notwendig, eine so große Zahl weizenbauender Land- 
wirte zusammenzufassen. Es gibt nur 218 000 Betriebe über 20 ha, darunter nur 18 600 
Betriebe über 100 ha. Für die Zwecke des Weizenverbandes gilt es nur, die Weizen- 
anbauer zu erfassen, also nur die Betriebe mit guten Böden. Außerdem ist es nur er- 
forderlich, die Besitzer heranzuziehen, nicht die einzelnen Betriebe. 
Zur selben Zeit berieten in Deutschland landwirtschaftliche Unternehmer die 
Maßnahmen zur Unterstützung des deutschen Brotgetreidemarktes durch organisa- 
torischen Zusammenschluß. Das Ergebnis dieser Beratungen führte unter besonderer 
Berücksichtigung der deutschen Verhältnisse und auf Grund der zustimmenden Ur- 
teile vieler namhafter landwirtschaftlicher Unternehmer im November vorigen Jahres 
zur Gründung des Deutschen Weizenverbandes G. m. b. H. zwecks Zusammenfassung 
des inländischen Weizenangebots in Händen einer landwirtschaftlichen Zentrale. ... 
Der deutschen Landwirtschaft sind seit Jahrzehnten wirtschaftliche Selbsthilfe- 
organisationen bekannt: Die Genossenschaften. Es liegt daher nahe, bei der Organisa- 
tion des Weizenabsatzes sofort an eine Vereinheitlichung des Genossenschaftswesens 
und eine Gründung neuer Genossenschaften zu denken. Die Frage des Ausbaues neuer 
technischer Handels-Organisationen, die im Interesse der Landwirtschaft die Waren- 
bewegung durchführen sollen, steht aber gar nicht zur Erörterung. Durch Neugrün- 
1) Vgl. v.Grass-Klanin, Kornhaus kontra Kanitz. Berlin 1895. Sou- 
chon, a.a. O0. Leonhard, Kornhäuser und Getreidehandel. München 1906. 
Sauer, a.a. O. 
2) Vgl. dazu den eingehenden Bericht in der Dezember 1926 dem Reichstag 
vorgelegten Denkschrift über Maßnahmen zur Preisstabilisierung des Getreides (Reichs- 
tagsdrucksache Nr. 2785), S. 44 ff. Einiges auch bei Th. Brinkmann, Aus dem 
Betrieb und der Organisation der amerikanischen Landwirtschaft. Berlin 1027.
	        
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