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heben, er tut es also zugunsten der Gesamtheit, übernimmt aber die Unkosten dieser
Lombardierung ganz allein. Um das Preisniveau zu halten, wäre es nur notwendig,
die kleinen, den Markt drückenden Überschußmengen zurückzuhalten und zu lom-
bardieren. Diese Lombardierung ist also im Grunde genommen Aufgabe der gesamten
deutschen Landwirtschaft. Im System des Deutschen Weizenverbandes wird die Lom-
bardierung auch von der Gesamtheit durchgeführt und die Unkosten werden von der
Gesamtheit getragen. Braucht man nur 10% der Warenmenge zurückzuhalten und zu
lombardieren, dann verteilen sich beim Deutschen Weizenverband die Unkosten für
Einlagerung, Lagerhaltung, Lombardierung und Auslagerung, in Höhe von etwa 12%,
und lasten nicht mehr mit diesem vollen Satz auf dem einzelnen. Das System der
gemeinsamen Verwertung ermöglicht erst eine rationelle Lombardierung der Ware.
Die Hauptaufgabe des Deutschen Weizenverbandes ist die Angebotsregulierung
Das zersplitterte Angebot der Landwirtschaft muß aufhören zugunsten eines regu-
lierten Angebotes. Eine handelsmächtige Zentrale kann mit größerer Genauigkeit die
Preisbildung überblicken. Sie kann eine Anpassung des Angebots an die Nachfrage
genau durchführen. Will man den Markt nur füttern, dann kann man jede Spekulation
ausschalten. Eine Zurückhaltung von kleinen Überschußmengen wird auch dann
richtig sein, wenn die Preise sinken. Das ist mit dem Rechenstift genau zu errechnen:
Wird auch nur etwas mehr Weizen (z. B. 100 Tonnen) von Landwirten geliefert, als
der Markt aufnehmen kann (z. B. 10 000 Tonnen), so kann eine Zurückhaltung dieser
Menge (100 Tonnen) auch bei sinkenden Preisen durchaus gegeben sein. Es wäre im
Sinne der Landwirtschaft völlig falsch, wollte man durch Verkauf dieser kleinen Über-
angebote (100 Tonnen) die Preise für die gesamt verkauften Weizenmengen (10 000
Tonnen) drücken lassen, allein aus der Furcht, daß die Preise sinken werden. Es ist
eine rein rechnerische Frage, welchen Verlust die Landwirtschaft eher tragen kann,
den Preisverlust für kleine Überschußmengen (100 Tonnen) oder den Preisverlust
durch ungerechtfertigtes Sinken der Gesamtpreise für die ganze verkaufte Menge
(10 000 Tonnen). Der Deutsche Weizenverband will also eine gemeinsame Front von
Landwirtschaft und Getreidehandel durchsetzen, um Notverkäufe und zeitliches und
Öörtliches Überangebot auszuschalten. .. .
Im Jahre 1927 hat der kanadische Pool versucht, eine internationale Vereini-
gung der weizenbauenden Länder zu schaffen. Der Einladung zu dieser Konferenz
folgten alle überseeischen Länder und auch Vertreter der europäischen Landwirtschaft;
Vertreter der deutschen Landwirtschaft fehlten, weil es bisher noch keine Organisation
gab, die eine Preispolitik der Landwirtschaft durchsetzen konnte. Es ist also auch
denkbar, daß der Deutsche Weizenverband später zusammen mit den großen mächtigen
Pool-Organisationen der ausländischen Landwirtschaft arbeitet, im Sinne einer He-
bung des Preisniveaus. Der Deutsche Weizenverband will eine Hebung der Preise
auf Grundlage der Einfuhrpreise erreichen. Die Zölle auf Weizen sollen zu 100% der
Landwirtschaft zugute kommen. Oberstes Ziel ist also Angleichung an den Welt-
marktpreis ... Die Erfolge des Deutschen Weizenverbandes hängen davon ab, ob die
landwirtschaftliche Unternehmerschaft zusammenstehen wird!).‘“‘
Ähnliche Maßnahmen werden auch in anderen Ländern erwogen;
daneben wird auch ein internationaler Zusammenschluß der Getreide-
1) Vgl. dazu auch v. Köppen, Möglichkeiten und Aussichten der Absatz-
regelung für Getreide. (Mitteilungen der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft 1929.
S. 1148 ff.)