Full text : Die Statistik der Pendelwanderung

Bei der Bildung der wirtschaftlichen Bannkreises bezw. der Arbeitsınd
 Wohnringe der einzelnen Städte und Industriebezirke wurde unterschieden
 zwischen:
i. Eingemeindungsgemeinden (bezw. Vororte), d.h. Gemeinden, die
in unmittelbarer Nachbarschaft der Grosstadt gelegen sind und in
absehbarer, Zeit zur Eingemeindung kommen können;
2. Umgebungsgemeinden, d.h. Gemeinden, die in grösserer oder
geringerer Entfernung von einem industriellen Mittelpunkte gelegen
sind, aber für die unmittelbare Vereinigung mit diesem Mittelpunkte in
absehbarer Zeit nicht in Frage kommen;
3. Kisenbahngemeinden, d.h. Gemeinden, die bisweilen beträchtlich
weiter abliegen, aber infolge der guten Eisenbahnverbindungen und
sonstiger. Verkehrsgelegenheit erhebliche wirtschaftliche Beziehungen
zu ihrem industriellen Mittelpunkte haben.
Diese etwas gewaltsame Dreiteilung verursachte der Bearbeitung
grosse Schwierigkeiten, sodass man zur Ueberzeugung kam, sie künftig
fortfallen zu lassen und durch Kilometerringe zu ersetzen, in welchen
lie einzelnen in Betracht kommenden Gemeinden für jeden Mittelpunkt
zenntlich gemacht werden. Besonders bedauert wurde nachträglich auch,
lass man von der Auszählung der verheirateten Personen abgesehen
hatte, denn diese Auszählung sei sozialpolitisch von grosser Wichtigzeit,
 da sich hierdurch vielleicht mancher Rückschluss auf die Lockerung
les Arbeiter-Familienlebens ziehen liesse. 1)
Als dritte Form der Bearbeitung sei noch kurz die Pendlerstatistik
arwähnt, die von dem Freistaat Hamburg im Anschluss an die Volkszählung
 von 1900 aufgezogen wurde. Hier legte man von vornherein
Jlarauf Gewicht, den Grad der Citybildung festzustellen, d.h. zu ermit-‘eln,
 inwieweit bereits im Stadtzentrum die früheren Wohnhäuser zu
"einen Geschäftshäusern geworden sind und in welchem ziffermässigen
Verhältnis sich in den einzelnen Stadtteilen die Tag- und Nachtbevölzerung
 gegenüberstehe. Zu diesem Zwecke wurde die Frage nach dem
Arbeitsort für die Bewohner Hamburgs dahin erweitert, dass die Arbeitsstelle
 genau nach Strasse und Hausnummer bezeichnet werden musste.
Im Gegensatz zu Württemberg und Preussen wurde demnach in Hamburg
 — wenigstens soweit die Stadt Hamburg in Frage kommt — die
Pendlerstatistik als innerörtliche Statistik durchgeführt. Die
Auszählung berücksichtigte auch hier Geschlecht, Beruf und Stellung im
Beruf; hinsichtlich des Familienstandes beschränkte man sich darauf,
lie Zahl der Verheirateten einschliesslich der Verwitweten und Geschiedenen
 herauszuarbeiten. 2?)
Die Anszählung umfasste in dem einen wie im anderen Falle die

1) Vgl. a.a.0. 8. 18.
3) Vel. Statistik des Hamburgischen Staates Heft XXI, Erste Hälfte S. 87 ff.
            
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